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Die Feuerwehr Kammer war vielfach gefordert
Stabile Verhältnisse bei den Aktiven – Der Tod von Georg Osenstätter überschattet das Vereinsjahr
Traunstein, Kammer. Im Rahmen der diesjährigen Generalversammlung blickten die Verantwortlichen des Vereins und der aktiven Wehr auf ein Jahr mit mehreren schweren Einsätzen, aber auch mit gelungenen Veranstaltungen zurück. Der Tod des langjährigen Vorstandsmitglieds Georg Osenstätter überschattete nicht nur das Vereinsjahr, sondern war auch in der Versammlung spürbar. Wolfgang Petzsch übernimmt nun das Amt des Schriftführers. Zudem machten die Kommandanten darauf aufmerksam, dass das derzeitige Feuerwehrhaus in mehreren Punkten nicht mehr den Anforderungen entspricht und es bei der Wasserversorgung aus dem Hydrantennetz zu erheblichen Schwierigkeiten kommt.
Gewohnt souverän führte Vorstand Sebastian Reischl durch die Tagesordnung und würdigte eingangs insbesondere die Verdienste Georg Osenstätters um die Feuerwehr Kammer. Dieser war im Dezember vergangenen Jahres bei einem tragischen Sportunfall ums Leben gekommen und hinterließ sowohl in der aktiven Mannschaft als auch in der Vorstandschaft eine große Lücke. Mit einer Schweigeminute gedachten die Versammlungsteilnehmer im Saal des Gasthauses „Zur Post“ des Verstorbenen.
Wolfgang Petzsch wird einstimmig zum Schriftführer gewählt
Kommissarisch hatte der bisherige stellvertretende Schriftführer Wolfgang Petzsch die Aufgabe übernommen, einen Jahresrückblick zu erstellen und das abgelaufene Vereinsjahr zu reflektieren. Im Tagesordnungspunkt „Wahlen“ wurde er anschließend von den Mitgliedern einstimmig zum neuen Schriftführer gewählt. Als neue stellvertretende Schriftführerin rückt Anna Specht in die Vorstandschaft nach.
In seinen Ausführungen wurde deutlich, wie vielfältig sich der Feuerwehrverein in das gesellschaftliche Leben einbringt. So beteiligte man sich unter anderem an der Einweihung der neuen Turnhalle, am Jahrtag der Vereine, an den Feierlichkeiten der Brauerei Schnitzlbaumer, am Maibaumaufstellen des Trachtenvereins, am Festzug zum Frühlingsfest, an der Fronleichnamsprozession, am Gautrachtenfest, am Festabend der DJK Kammer sowie am Dorfschießen der Schützengesellschaft.
Als einen der Höhepunkte bezeichnete Wolfgang Petzsch die Feierlichkeiten „650 Jahre Stadtrechte in Traunstein“, an denen sich die Feuerwehr Kammer sowohl am Umzug als auch mit einem Essensstand beim großen Jubiläumsfest beteiligte. Ebenso engagierte man sich bei den Feierlichkeiten „50 Jahre DJK Kammer“, die im Rahmen einer Festwoche im Dorf begangen wurden. Darüber hinaus informierte er, dass man beim Feuerwehrfest in Pierling beziehungsweise Traunwalchen mit 95 Teilnehmern einen der Meistpreise nach Kammer holen konnte.
Gute Beteiligung bei Festen und Feiern
Sebastian Reischl brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass jeweils zahlreiche Mitglieder an den Feuerwehrfesten in Pierling, Traunwalchen, Surberg, Taching, Hammer, Otting und Oberfeldkirchen teilgenommen haben. „Dreimal waren wir auch mit der Musikkapelle unterwegs“, so der Vorstand. Als besonders gelungene Vereinsveranstaltung nannte er zudem die Bergwanderung zur Gräbenalm im August vergangenen Jahres.
Erfreut zeigte sich Sebastian Reischl auch darüber, dass nahezu alle Ortsvereine gemeinsam mit der Stadt Traunstein das Projekt „Festplatz für seltene Feste“ unterstützen. Sobald es die Witterung zulässt, sollen die notwendigen Bauarbeiten beginnen. Zudem laufen die Planungen für einen gemeinsamen Vereinsausflug mit dem Trachtenverein im Herbst dieses Jahres. Am 3. Oktober soll im kleineren Rahmen das 30-jährige Bestehen der Jugendfeuerwehr Kammer gefeiert werden. Darüber hinaus beteiligt sich der Verein an den Gründungsfesten in Engelsberg und Heiligkreuz.
Einen Überblick über die Vereinsfinanzen gab Kassier Peter Freutsmiedl. „Im letzten Jahr haben wir mehrfach Spenden erhalten, die unserer Vereinskasse sehr zugutekamen“, freute sich der Kassier. Investiert wurde unter anderem in die Modernisierung des Florianstüberls. Auch die zahlreichen Feuerwehrfeste wirkten sich auf den Kassenstand aus. Trotz eines Ausgabenüberhangs steht der Feuerwehrverein Kammer wirtschaftlich auf soliden Beinen.
Hinter den Aktiven liegt ein anspruchsvolles Einsatzjahr
Für die aktive Mannschaft berichteten die beiden Kommandanten Alois Wimmer und Tobias Heigermoser sowie Jugendwart Kilian Söldner. Derzeit leisten 67 Einsatzkräfte aktiven Feuerwehrdienst, der Frauenanteil beträgt rund 20 Prozent. Die Aktiven sind in drei Übungsgruppen sowie eine Jugendgruppe gegliedert. Die Feuerwehr verfügt über drei Zugführer, acht Gruppenführer, 24 Atemschutzgeräteträger, 15 Maschinisten sowie acht Mitglieder mit der Sonderausbildung „Absturzsicherung“. Der Aktivenchef betonte, „wir haben damit seit Jahren absolut stabile Verhältnisse und darauf dürfen wir stolz sein“.
Acht Jugendliche gehören aktuell dem Nachwuchs an. Maximilian Schuster wird die beiden bisherigen Jugendwarte zukünftig unterstützten. Die Jugendlichen beteiligten sich neben dem regulären Übungsbetrieb unter anderem bei der Aktion Christbaum sowie bei der Abholung des Friedenslichtes in Tittmoning. Außerdem war man beim Wissentest erfolgreich. Ein Ausflug der städtischen Nachwuchsfeuerwehren führte in den Bayernpark.
Für Einsatz- und Übungsdienst sowie weitere Tätigkeiten leisteten die Kammerer Floriansjünger im vergangenen Jahr insgesamt 4.545 Stunden. Bei 31 Einsätzen konnten vier Menschenleben gerettet werden; „einmal kam leider jede Hilfe zu spät“, informierte Tobias Heigermoser. Während ein Waldunfall glimpflich ausging, konnte bei einem bei einem Brandalarm am Heiligen Abend einem Mann nicht mehr geholfen werden.
„Das Einsatzjahr erwies sich insgesamt als anspruchsvoll“, so die Einschätzung des stellvertretenden Kommandanten. Die Aktiven waren bei Fahrzeug-, Keller-, Wohnungs- und Wohnhausbränden ebenso gefordert wie bei Verkehrsunfällen, bei denen mehrfach schweres technisches Gerät eingesetzt werden musste. Auch witterungsbedingte Schäden machten einige Einsätze erforderlich.
Im letzten Jahr war außerdem eine deutliche Zunahme von Alarmen zu erkennen, bei denen die Feuerwehr deutlich vor dem Rettungsdienst eintraf und medizinische Erstmaßnahmen bis hin zur Reanimation samt Einsatz des Defibrillators ergreifen musste. Zudem wurde die Feuerwehr erstmals über ein automatisiertes Notrufsystem zu einem Verkehrsunfall alarmiert.
Im vergangenen Jahr wurde außerdem eine große Gemeinschaftsübung im Schulhaus Kammer mit den Feuerwehren Haslach, Hochberg, Traunstein und Wolkersdorf organisiert sowie das Leistungsabzeichen „Löschwesen“ abgelegt. Zahlreiche Feuerwehrangehörige besuchten Lehrgänge des Kreisfeuerwehrverbandes Traunstein und erweiterten dort ihre fachlichen Kompetenzen. In vielen Übungsabenden wurden neun Frauen und ein Mann auf die MTA-Zwischenprüfung vorbereitet. Eine Fahrzeugbesatzung nahm zudem an einer zweitägigen Kontingentübung im Landkreis Eichstätt teil.
Probleme mit der Wasserversorgung
Kommandant Alois Wimmer sprach den zunehmenden Platzmangel sowie den wachsenden Sanierungs- und Modernisierungsbedarf im mittlerweile 31 Jahre alten Gerätehaus an. „Die Mängelliste wird von Jahr zu Jahr länger, und die schlecht einsehbare Alarmausfahrt hat im vergangenen Jahr erneut zu brenzligen Situationen beim Ausrücken geführt“, so der Kommandant. Kritisch merkte er außerdem an, dass weder zur Turnhalle noch zum Schulhaus eine Zutrittsmöglichkeit bestehe; eine ähnliche Situation gebe es beim Truppenübungsplatz der Bundeswehr.
Dringenden Handlungsbedarf sieht Alois Wimmer auch bei der Wasserversorgung: „Sobald wir im Ortsgebiet einen Hydranten öffnen, haben die Anwohner weder Wasser zum Duschen noch zum Waschen.“ Besonders problematisch sei die Situation im Kerngebiet von Kammer. „Hier können wir nicht auf alternative Wasserquellen wie Weiher oder unterirdische Wasserbehälter zurückgreifen und müssen kilometerlange Schlauchleitungen nach Gerating, Neuhausen oder Rettenbach verlegen. Das ist zwar möglich, kostet im Einsatzfall jedoch wertvolle Zeit, bis ausreichend Löschwasser zur Verfügung steht.“
Bayerisches Ehrenkreuz in Gold für Hubert Wimmer
Erfreulich gestaltete sich hingegen der Tagesordnungspunkt „Ehrungen“. Er verdeutlichte, dass die aktive Wehr auf zahlreiche treue und langjährige Mitglieder bauen kann. Für zehn Jahre aktiven Dienst wurden Thomas Schuster und Wolfgang Petzsch geehrt. Seit 20 Jahren leisten Tobias Heigermoser, Franz Maier und Sebastian Reischl Feuerwehrdienst. Martin Lackerschmid, Alois Gartner, Christian Berger und Christoph Reiter-Kraller gehören seit 30 Jahren zu den aktiven Einsatzkräften. Hermann Stöger war bereits aus dem aktiven Dienst auf Grund des Erreichens der Altersgrenze ausgeschieden und ist nun auf Grund der Gesetzesänderung wieder in die „Einsatzmannschaft“ eingetreten. Dafür hat er eine kleine Aufmerksamkeit und einen „kräftigen“ Applaus erhalten.
Für 25 Jahre aktiven Dienst wurde Maria Fleck mit dem Bayerischen Feuerwehr-Ehrenkreuz in Silber ausgezeichnet. Da sie nicht an der Versammlung teilnehmen konnte, wird die Ehrung zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt. Hubert Wimmer, ein Kammerer Feuerwehrurgestein und Feuerwehrler mit Leib und Seele, leistet seit 40 Jahren aktiven Dienst. Er wird das Feuerwehr-Ehrenkreuz in Gold bei einem landkreisweiten Ehrenabend entgegennehmen.
Traunsteins Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer dankte in seinem Grußwort allen Ehrenamtlichen für ihr Engagement und hob die Unterstützung bei zahlreichen Veranstaltungen wie dem Georgiritt, den Jubiläumsfeierlichkeiten zu den Stadtrechten oder dem Gaufest hervor. „Ohne den Einsatz der fünf Traunsteiner Feuerwehren wären diese Veranstaltungen undenkbar“, betonte er. Zugleich versicherte er: „Wir unternehmen alles, damit unsere Feuerwehren gut ausgestattet sind. Die vorgebrachten Kritikpunkte sind berechtigt.“
Seitens der Kreisbrandinspektion nahm Albert Rieder an der Versammlung teil. In seinem Grußwort ermutigte er die Verantwortlichen, über die Gründung einer Kinderfeuerwehr nachzudenken: „Zahlreiche Feuerwehren aus der Region haben diesen Schritt bereits gemacht und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt des ehrenamtlichen Feuerwehrwesens.“ Zudem warb er für die Teilnahme am Tag der Jugendfeuerwehr sowie am Zeltlager des Kreisfeuerwehrverbandes Traunstein, das in diesem Jahr gemeinsam mit der Feuerwehr Taching organisiert wird. Hob
Text und Bilder
Hubert Hobmaier
Kreisfeuerwehrverband Traunstein