Feuerwehren bis in die frühen Morgenstunden im Einsatz

Landkreis Traunstein. Nach Redaktionsschluss sind über Teile des Landkreises Traunstein Regenschauer mit rund 30 Litern Regenmenge pro Quadratmeter gezogen, die vielerorts zu überschwemmten Straßen und vollgelaufenen Kellern geführt haben. Insgesamt waren fast 1000 Einsatzkräfte der heimischen Feuerwehren in den letzten Tagen im Einsatz. Die neuen Hochleistungspumpen des Landkreises sind erst wenige Wochen einsatzbereit und waren mehrfach gefordert und die Feuerwehr-Führungsstellen haben ihren ersten Belastungstest bestanden.

In den Nachmittags- und Abendstunden des gestrigen Sonntages stabilisierte sich die Lage auf Grund des Dauerregens und die Verantwortlichen konnten ein erstes Mal aufatmen, dass der Landkreis Traunstein insgesamt glimpflich davongekommen ist. Mit dem einsetzenden Starkregen kam es insbesondere im Bereich der Stadt Traunstein zu einer Einsatzhäufung, die den Einsatz aller fünf städtischen Wehren forderte. Die Regenfront, die Richtung Süden abzog, führte zu zahlreichen Einsätzen, insbesondere in den Gemeinden Siegsdorf, Vachendorf, Bergen, Inzell und Reit im Winkl.

In Traunstein entwickelten sich dabei zwei Einsatzschwerpunkte. Im Bereich des Traunsteiner Erlebnisbades drohte der Röthelbach durch den massiven Zufluss über die Ufer zu treten und den Ortsteil Daxerau zu überschwemmen. Dabei konnte die örtliche Feuerwehren zusammen mit den Einsatzkräften einer Hochleistungspumpe den Abfluss so weit erhöhen, dass die Gefahr einer Überflutung gebannt wurde. In Gamm trat indes der Grundbach über die Ufer und gefährdete unter anderem mehrere Wohn- und Geschäftsgebäude. Hier wurde zusätzlich die Feuerwehr Surberg alarmiert, die neben Tauchpumpen mittels Sandsäcken Schutzmaßnahmen für die betroffenen Gebäude einleitete. Darüber hinaus waren die Feuerwehren Haslach, Hochberg, Kammer, Traunstein und Wolkersdorf im gesamten Stadtgebiet bei mehreren vollgelaufenen Kellern im Einsatz.

Mehr als 100 Feuerwehrkräfte waren in der Gemeinde Siegsdorf im Einsatz. Sie mussten rund 65 unterschiedliche Einsatzstellen abarbeiten. Dabei waren in den meisten Fällen vollgelaufene Keller der Grund für das Tätigwerden der Feuerwehren Siegsdorf, Hammer, Vogling und Eisenärzt. Zudem waren mehrfach Straßen, zum Beispiel der Bahnübergang in Eisenärzt überflutet. In Vachendorf musste die Feuerwehr zu etwa zehn Einsatzstellen ausrücken. 25 Aktive der Feuerwehr Bergen waren zu sechs Einsätzen alarmiert worden. Sie bauten zusammen mit Kräften der Wasserwacht für den Ort ein Hochwassersicherungssystem auf. Die Feuerwehr Holzhausen musste ebenfalls zu mehreren vollgelaufenen Kellern und überschwemmten Straßen ausrücken und ein von den Wassermassen bedrohtes Haus schützen.

In den späten Nachmittagsstunden spitze sich die Lage im Bereich Inzell nochmals deutlich zu. Binnen weniger Minuten waren aufgrund des Starkregens Dutzende Keller vollgelaufen. Rund 25 Personen wurden in Sicherheit gebracht. Diese kamen allesamt bei Verwandten und Bekannten unter. Insbesondere waren in der Froschseestraße zahlreiche Häuser betroffen. Rund 250 Einsatzkräfte waren bis nach Mitternacht mit Aufräumungsarbeiten beschäftigt. Darüber hinaus wurden auch zwei der Hochleistungspumpen angefordert, die aber nicht mehr zum Einsatz kamen.

Neben der örtlichen Feuerwehr waren die Feuerwehren Siegsdorf und Marquartstein mit Sandsäcken vor Ort. Zusätzlich wurden aus dem gesamten Landkreis Teileinheiten der Feuerwehren Chieming, Surberg, Pierling, Traunreut, Übersee, Staudach, Reit im Winkl, Ruhpolding und Oberwössen nach Inzell beordert. Das Bayerische Rote Kreuz war neben der rettungsdienstlichen Absicherung mit einer Betreuungseinheit vor Ort. Zudem wurden Wasserrettungseinheiten der Wasserwacht und der DLRG in den Einsatzbereich entsandt. Die Einsatzmaßnahmen in Inzell dauerten bis in die frühen Morgenstunden wobei nach und nach die überörtlichen Einsatzkräfte entlassen werden konnten.

In den übrigen Gemeinden im südlichen Landkreis Traunstein waren die Feuerwehren ebenfalls bei mehreren Einsätzen gefordert. Auch hier galt es Wasser aus Kellern zu pumpen, Straßen von Schlamm und Sand zu befreien und die örtlichen Bauhöfe sowie die Straßenmeistereibetriebe bei den Straßensperren zu unterstützen. Nachdem ein rund 30 Minuten anhaltende Starkregen abgezogen war, konnte vielerorts schnell wieder Entwarnung gegeben werden. Besondere die Pegel an den kleineren Bächen sowie an der Traun stiegen kurzzeitig nochmals an und erreichten Meldestufen, die jedoch zu keinen größeren Ausuferungen führten.

Darüber hinaus wurden die Führungsstellen Achen (Feuerwehr Rottau), Chiemsee (Feuerwehr Erlstätt) und Salzach (Feuerwehren Fridolfing und Pietling) aufgerufen, die die Maßnahmen vor Ort unterstützten und beispielsweise Sandsäcke organisierten oder Nachforderungen von Kräften durchführten. Zudem führten sie in ihrem Bereich eine Lageübersicht und standen den Einsatzleitungen in den Gemeinden beratend zur Seite. Im Casino des Landratsamtes wurde mit mehreren Mitgliedern der Kreisbrandinspektion die „Einsatzleitung Feuerwehr“ aufgebaut. Dort liefen die Fäden aus dem gesamten Landkreis zusammen, um der Vielzahl an Hilfeersuchen gerecht zu werden und geordnete Kommunikations- und Organisationswege sicherzustellen.

Als Sammelplatz für die überörtlichen Einsatzkräfte wurde das Gewerbegebiet Aiging ausgewählt. Dort versammelten sich die einzelnen Fahrzeuge rückten von dort als geschlossene Einheit in die Schadensgebiete aus. Dieses Verfahren hatte sich in den letzten Tagen des Hochwassereinsatzes bewährt. Dies erwies sich sowohl für den Unterstützungseinsatz im Landkreis Berchtesgaden als auch für überörtliche Anforderungen innerhalb des Landkreises Traunstein als sehr hilfreich. Die Pressestelle der Feuerwehren im Landkreis Traunstein war in den letzten Tagen ebenfalls rund um die Uhr im besetzt und beantwortete rund 150 telefonische und schriftliche Anfragen. Zudem waren alle vier Bereichspressebetreuer des Kreisfeuerwehrverbandes in den Feuerwehr-Führungsstellen sowie bei den Feuerwehren vor Ort im Einsatz.

„Diese große Flächenlage hat wieder einmal gezeigt, dass die Hilfsorganisationen bestens organisiert sind und selbst kritische Einsatzentwicklungen gemeistert werden“, resümierte Kreisbrandrat Christof Grundner und ergänzte: „Die Einsatzkräfte in den Führungsstellen als auch die Mannschaften der eingesetzten Hochleistungspumpen aus Hart, Palling, Kirchanschöring, Petting, Waging, Nirnharting, Trostberg, Schnaitsee und Emertsham haben ihre Premiere großartig gemeistert. Als ich vor Ort gesehen habe mit wie viel Professionalität und Engagement in allen Orten geholfen wurde war ich wirklich zufrieden“, so der Gesamteinsatzleiter. Hob

 

Text und Bilder

Hubert Hobmaier,

Stefan Lohwieser, Simone Ober, Thomas Pfeffer, Michael Wimmer,

Wolfgang Gasser

Kreisfeuerwehrverband Traunstein e.V.

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