Der Landkreis Traunstein investiert in den Katastrophenschutz

Landkreis Traunstein. In den vergangenen Jahren wurde der Landkreis Traunstein mehrmals von Starkregen oder Hochwasserereignissen heimgesucht. Auf die sich ändernden klimatischen Bedingungen haben die Kommunen und Feuerwehren bereits reagiert und die Ausrüstung für derartige Einsätze kontinuierlich aufgestockt. Nun unterstützt der Landkreis Traunstein die kommunalen Feuerwehren mit vier Hochleistungspumpen, die jeweils mit einer Leistung von 15000 Litern pro Minute Wasser fördern können.

„Mit der Firma Netzsch in Waldkraiburg haben wir einen Anbieter gefunden, der viel Erfahrung im Segment leistungsstarker Pumpen hat“, zeigt sich Kreisbrandrat Christof Grundner bei der Übergabe am Produktionsstandort zufrieden. Nach vier Jahren der Bedarfsanalyse, Planung und Beschaffung der Pumpen wurden kürzlich vier sogenannte Tornado XLB-8/2 Drehkolbenpumpen übergeben. Darüber hinaus steckt hinter den Pumpen ein umfangreiches Servicepaket, damit im Falle eines Schadens keine langen Ausfallzeiten entstehen.

Der Landkreis Traunstein hat in die Beschaffung rund 375.000 Euro investiert. „Ich bin sehr stolz, dass wir mit dieser Investition den Katastrophenschutz mit leistungsfähiger Technik unterstützen und somit einen weiteren Beitrag zum Schutz von Hab und Gut aller Bürgerinnen und Bürger leisten“, so Landrat Siegfried Walch bei seinem Besuch während einer Einweisung der Feuerwehren an der Tiroler Achen. „Natürlich hoffen wir alle, dass unser Landkreis von Wetterkapriolen zukünftig verschont bleiben wird. Gleichzeitig ist es gut zu wissen, dass wir für mögliche Schadensfälle künftig noch besser ausgerüstet sind“, so Siegfried Walch.

Bei der Übergabe der vier Anhänger am Werk in Waldkraiburg lobte der Firmenvertreter Jens Heidkötter, Managing Director der Pumpen und Systeme GmbH, die konstruktive und zielführende Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Traunstein und dem Sachgebiet Öffentliche Sicherheit und Ordnung unter der Leitung von Florian Appelt.

Die vier Pumpen sind jeweils auf einen 3,5 Tonnen schweren Zweiachsanhänger fest verbaut und wurden organisatorisch jeweils einem Inspektionsbereich zugeordnet. Dort haben sich die Feuerwehren bereits zu sogenannte Pumpenzügen, bestehend aus jeweils einem Lösch- und einem Logistikfahrzeug sowie einem Führungsfahrzeug zusammengeschlossen, die im Einsatzfall die Ausrüstung und die Anhänger zum Einsatz bringen.

Als Antrieb der Pumpen dienen festverbaute Dieselaggregate nach Schadstoffnorm 5. Dies hat den Vorteil, dass jede Pumpe unabhängig von einer Stromversorgung auch über Stunden hinweg betrieben werden kann. Mit einer maximalen Saughöhe von acht Metern und einer Förderstrecke von insgesamt einem Kilometer ist ein Einsatz auch in abgelegenen Orten bzw. schwer zugänglichen Gelände möglich. Im Regelbetrieb schafft eine einzige Pumpe eine Förderleistung von rund 900 m3 Wasser pro Stunde, was eine Minutenleistung von rund 15.000 Litern entspricht oder anders formuliert, können die vier Pumpen ein Olympiaschwimmbecken in einer halben Stunde vollständig auffüllen.

Matthias Seidenfuß ist seitens der Kreisbrandinspektion für die Pumpenzüge verantwortlich und zeigt sich von der Dimension der Ausrüstung beindruckt. „Die Schläuche sind so dick, da passt ein Handball durch und auch die Armaturen haben ganz andere Ausmaße als wie wir sie von den Standardlöschfahrzeugen her kennen“, so der Fachberater Technische Hilfeleistung. Im Fachjargon werden die Schläuche als „F-Schläuche“ bezeichnet und haben einen Durchmesser von etwa 15 cm. Jede Pumpe verfügt über jeweils vier Saug- und Druckanschlüsse.

Derzeit laufen in jedem Inspektionsbereich die Herstellereinweisungen. Für den südlichen Landkreis Traunstein wurden die Feuerwehren Rottau, Bergen und Hammer zu einem Pumpenzug zusammengestellt. Die Pumpe für den östlichen Landkreis Traunstein wird von den Feuerwehren Petting, Waging und Nirnharting betrieben. Im nordöstlichen Bereich sind die Feuerwehren Trostberg, Schnaitsee und Emertsham zu einem Zug zusammengeschlossen und für die Feuerwehren im Inspektionsbereich Land 5, also den Feuerwehren der Landkreismitte wird die Pumpe von den Feuerwehren Hart, Palling und Kirchanschöring betreut.

„Um die Pumpen zum Einsatz zu bringen, steckt ein enormer logistierscher Aufwand dahinter“, so Matthias Seidenfuß. Normalerweise haben die Feuerwehren ihre Ausrüstung griffbereit im Einsatzfahrzeug verladen, was bei der Dimension dieser Zubehörteile unmöglich ist. Damit die Pumpen dennoch rasch zum Einsatz kommen, erarbeiten die Verantwortlichen anhand der ersten Erfahrungen nun ein Einsatzkonzept, das von der Anforderung über die Rüstzeit bis zur Betriebsbereitschaft alle Schritte abdeckt.

„Da das Technische Hilfswerk in Traunstein ebenfalls über eine ähnlich leistungsstarke Pumpe verfügt, wird das Konzept auch die Ausrüstung des Technischen Hilfswerks einschließen“, erklärt Christof Grunder, der bereits erste Gespräche bezüglich eines gemeinsamen Konzeptes mit den Verantwortlichen geführt hat. „Natürlich wird der Landkreis die Pumpenzüge auch für den überörtlichen Einsatz zur Verfügung stellen, wenn diese gebraucht werden“, so Grundner abschließend.

Sollte es zu einem Pumpenausfall während des Einsatzes kommen, so hat die Firma Netzsch eine Ausfallpumpe zur Verfügung gestellt. In Verbindung mit einer Servicewerkstatt mit „Rund um die Uhr Betreuung“ ist eine schnelle Reparatur zu jeder Zeit und an jedem Ort gewährleistet. „Die Einweisungen und Übungen an den vier Pumpen sind so gut wie abgeschlossen. Damit sind die Pumpen ab sofort einsatzbereit“, so der sichtlich beeindruckte Landrat Siegfried Walch nach seinem Übungsbesuch in Grassau. Hob

 

Text und Bilder

Hubert Hobmaier, Wolfgang Gasser, Simon Endlicher, Anita Mussner, Daniela Rottner

Kreisfeuerwehrverband Traunstein e.V.

Beteiligte Feuerwehren

Landratsamt Traunstein

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