„Eine etwas andere Übung zur Feuerwehraktionswoche“

Traunstein. An und für sich gehört eine Großübung im Rahmen der bayernweiten Feuerwehraktionswoche genauso dazu, wie zahlreiche Aktionen in den Feuerwehren vor Ort. „In diesem Jahr ist aber irgendwie alles etwas anders“ erklärt Kreisbrandmeister Albert Rieder, der als Einsatzleiter für die Übung am Truppenübungsplatz Kammer eingesetzt war. Ziel der Übung war es, mit möglichst wenig Personal gleich drei Einsatzkonzepte auf Herz und Nieren zu testen, damit im Einsatz alles glatt läuft. Dabei konnten die Verantwortlichen wertvolle Erkenntnisse gewinnen und werden diese entsprechend in die Einsatzplanungen einbauen.

Bereits in den Morgenstunden sind die ersten Einheiten am Bereitstellungsraum an der Kreisstraße TS 1 bei Kammer eingetroffen. Dabei wurde ein zeitlich versetzter Plan erarbeitet, dass nicht alle Kräfte gleichzeitig eingetroffen sind. Knapp 140 Feuerwehrkräfte mit rund 20 Fahrzeugen aus dem gesamten Landkreis beteiligten sich an der Übung. Darüber hinaus war die Firma Global Helicopter Service (GHS) aus Kirchanschöring mit einem Hubschrauber vor Ort, der die Löscharbeiten aus der Luft unterstützte. Die Bundeswehr hat nicht nur die Örtlichkeiten zur Verfügung gestellt, sie haben darüber hinaus für die Verpflegung der Beteiligten gesorgt und fungierten zusammen mit dem Kreisverbindungskommando Traunstein als Übungsbeobachter.

Kreisbrandmeister Alexander Heide ist bei den Feuerwehren im Landkreis Traunstein federführend für die Bereiche „Wasserförderung über lange Wegstrecken“ und „Wassertransport mittels Tankwagen“ verantwortlich. Sein Amtskollege Thomas Mayr hat den Auftrag, sich der Wald- und Vegetationsbrandbekämpfung anzunehmen. „Alle Bausteine zu üben ist im Truppenübungsplatz Kammer auf Grund der geografischen Verhältnisse und seiner Größe hervorragend möglich gewesen“, so Alexander Heide im Gespräch mit dem Kreisfeuerwehrverband Traunstein.

Nach dem coronabedingten Lock Down war dies das erste „größere Lebenszeichen“ der Feuerwehren in Sachen Übungs- und Ausbildungsdienst. Und tatsächlich waren bei den Übungsbeteiligten nur positive Stimmen zu hören. „Es ist super, dass mal wieder was los ist und wir umfangreich mit der Technik üben konnten“, hieß es bei den Teilnehmern. „Es ist in dieser Übung das Kunststück gelungen, dass die notwendigen Abstände eingehalten und Schutzmaßnahmen durchgeführt wurden“, freute sich indes Kreisbrandrat Christof Grundner.

Als erstes begannen die Teilnehmer eine lange Schlauchstrecke vom Mühlbach bei Leiderting bis in den Truppenübungsplatz zu legen. Auf einer Strecke von gut einem Kilometer errichteten sie mit Unterstützung eines Schlauchwagens eine Doppelleitung zur Wasserförderung. Da ein Höhenunterschied von etwa 40 Meter zu überwinden war, waren mehrere Zwischenpumen erforderlich. „Für uns Maschinisten ist so eine lange Schlauchstrecke die Königsdisziplin – es müssen alle Rädchen perfekt zusammenspielen, damit am Ende der Leitung überhaupt Wasser ankommt“, so einer der Übungsteilnehmer. Die Zahlen belegen, dass dies offensichtlich funktionierte. Pro Minute förderte die Leitung eine Wassermenge von gut 2000 Litern.

Darüber hinaus wurde mittels Tankwagenpendelverkehr der Wassertransport durch Feuerwehrfahrzeuge geprobt. Aus dem rund drei Kilometer entfernten Ortsteil Kaltenbach wurde das benötigte Löschwasser ebenfalls aus dem Mühlbach entnommen und mit fünf Tankfahrzeugen an den Übergabeplatz transportiert. Bereits wenige Minuten nach dem Start hatte sich das System eingespielt und so gelang es über mehrere Stunden hinweg, eine Wassermenge von etwa 40000 Liter pro Stunde zu transportieren.

Als dritte Übungskomponente stand die Waldbrandbekämpfung im Drehbuch. Dabei kam neben der Waldbrandausrüstung des Landkreises Traunstein ein Hubschrauber der Firma GHS zum Einsatz. Dieser übernahm sowohl den Personal- als auch den Materialtransport. Darüber hinaus beteiligte er sich an den Löschmaßnahmen und unterstützte die Bodenkräfte mit einem Wasserbehälter aus der Luft. „Für uns ist das schon eine tolle Sache, dass wir die Chance bekommen haben, gleich zweimal innerhalb kurzer Zeit mit einem Hubschrauber üben zu können. Dadurch haben wir viele Erkenntnisse gewinnen können und das Zusammenspiel unter den Beteiligten deutlich verbessert“, so Kreisbrandmeister Thomas Mayr.

In einem ersten Feedback zum Abschluss des Übungstages zeigten sich die Verantwortlichen begeistert, dass das Hygienekonzept für diese Übung so gut funktioniert hat. „Insbesondere beim Einsatzkonzept für die lange Schlauchstrecke werden wir nachbessern. Hier habe sich gezeigt, dass es sinnvoll ist, auf kleine wendige Fahrzeuge zu setzen und die Abläufe zukünftig etwas anzupassen“, so Kreisbrandmeister Alexander Heide. Der Pendelverkehr habe trotz der Widrigkeiten gut funktioniert und es kamen nur wenige Anregungen zur Optimierung, so war es der Nachbesprechung zu entnehmen.

Einsatzleiter Albert Rieder dankte zum Abschluss des Tages allen, die sich an dem Übungstag beteiligt haben. Neben der Feuerwehr Kammer beteiligten sich Einsatzkräfte aus Traunstein, Trostberg, Pietling, Eisenärzt, Staudach, Emertsham, Unterwössen, Engelsberg, Traunreut, Heiligkreuz, Grabenstätt, Kirchanschöring, Petting, Waging, Hammer, Siegsdorf und Übersee an der Übung. Darüber hinaus waren mehrere Führungskräfte als Beobachter und eingesetzt. Die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung war in die Übungskoordination eingebunden. Gegen 16 Uhr war der Übungstag beendet und die Teilnehmer traten ihre Heimreise an. Hob

 

Text

Hubert Hobmaier

Kreisfeuerwehrverband Traunstein e.V.

 

Bilder

Hubert Hobmaier, Daniela Steiner, Stefan Lohwieser, Michael Strohhammer, Simon Endlicher, Johann Kirchhofer, Christian Schulz, Thomas Pfeffer

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