Zwei spezielle Feuerwehrfahrzeuge im Wandel der Zeit

Traunstein/Trostberg. Wenn diese Fahrzeuge mit Blaulicht und Martinhorn unterwegs sind, dann ist von einer größeren Schadenslage auszugehen. Der angebrachte Schriftzug „Atem- und Strahlenschutz“ lässt dabei bereits erahnen, welch brisanten Einsatzauftrag diese Fahrzeuge im Regelfall haben. Waren es in der Vergangenheit fast ausschließlich Brände bei denen die Fahrzeuge zur Unterstützung gerufen wurden, so sind sie heute für unterschiedliche Einsatzaufgaben gerüstet. Egal ob chemische oder radioaktive Gefahren, neben den Brandeinsätzen sind sie unter anderem als „Hygienefahrzeuge“ im Zuge der Corona Pandemie im Einsatz.

Die beiden 20- beziehungsweise 25 Jahre alten Fahrzeuge haben sich in ihrer bisherigen Laufbahn einem beständigen Wandel unterzogen. Waren es vor Jahren fast ausschließlich Großbrände, so sind die beiden Gerätewägen Atem-/Strahlenschutz (GW-A/S) mittlerweile in vielen Einsatzbereichen unverzichtbar. Besonders während der derzeitigen Pandemielage sind sie insbesondere für die Versorgung mit Spezialausrüstung und Desinfektionsmittel ausgestattet worden und in der Alarmierungsplanung bei zahlreichen Sonderobjekten wie Alten- und Pflegeheimen sowie Krankenhäusern eingeplant.

Auf Grund der flächenmäßigen Größe des Landkreises Traunstein und den damit verbundenen Wegstrecken sind die beiden Fahrzeuge in Traunstein (südlicher Landkreis) sowie Trostberg (nördlicher Landkreis) stationiert. Der ursprüngliche Einsatzzweck, die Versorgung mit Atemschutzgeräten sowie spezieller Schutzausrüstung bei atomarer, biologischer und chemischer Gefahr und die Übernahme einer Atemschutzsammelstelle bei großen Feuerwehreinsätzen ist zwar im Wesentlichen erhalten geblieben. Im Laufe der letzten Jahre ist darüber hinaus eine Vielzahl weiterer Aufgaben hinzugekommen.

Traunsteins Kommandant Christian Schulz erklärt dies folgendermaßen. „Die Einsatzbereiche unseres Gerätewagen Atemschutz haben sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Die Vorhaltung und die richtige Auswahl der Schutzausrüstungen sowie die Anwendung hochmoderner Messtechnikhat zusehends an Bedeutung gewonnen.Darüber hinaus wird eine situationsangepasste Beladung immer wichtiger. Dies zeigte sich bereits bei den Vogelgrippeausbrüchen und ist auch in der Covid Pandemie von enormer Bedeutung für das erfolgreiche Tätigwerden der Feuerwehren“.

Laut Hans-Peter Heimbach, dem Kommandanten der Feuerwehr Trostberg „waren es in der Vergangenheit überwiegend Großbrände, bei denen unser Fahrzeug alarmiert wurde, so ist es heute bei einer Vielzahl unterschiedlicher Einsatzlagen gefordert. Mittlerweile ist es ein rollender Messtechnik- und Sonderausrüstung LKW, für den es speziell geschultes Personal bedarf. Natürlich hat auch der ursprüngliche Zweck, die Versorgung mit Atemschutzgeräten an Einsatzstellen, immer noch einen hohen Stellenwert. Durchschnittlich ein- bis zweimal pro Jahr wird unser Fahrzeug bei Großbränden komplett leergeräumt“.

Die Aufgabenpalette reicht somit von der Anlaufstelle für Atemschutzgeräteträger über den möglichen Betrieb einer Atemschutzsammelstelle, den schnellen Austausch benutzter Atemschutzgeräte sowie das Vorhalten weiterer Sonderausrüstung die nicht an jedem Feuerwehrstandort verfügbar ist. Dies beinhaltet sowohl den Bereich Schutzausrüstung als auch spezielle Messgeräte für die unterschiedlichsten Anforderungen.

„In Sachen Ausrüstung sind beiden GW-A/S weitestgehend gleich ausgestattet“, erklärt der zuständige Fach-Kreisbrandmeisterfür Gefahrgut, Thomas Günthner. „Rund 30 Atemschutzgeräte bzw. Langzeitatmungsgeräte bilden die Kernausrüstung. Diese steht den Feuerwehren im gesamten Landkreis Traunstein ebenso zu Verfügung, wie die mitgeführten Chemikalienschutzanzüge oder die Schutzausrüstung für den Strahlenschutz. Aufblasbare Schnelleinsatzzelte als Witterungsschutz sowie die Möglichkeit einer Personen Dekontaminationrunden die Beladung der beiden 12-Tonner ab“.

Darüber hinaus werdenjeweils rund 40 Fluchthauben für großangelegte Evakuierungen vorgehalten und auch in Sachen Messtechnik sind beide Einsatzfahrzeuge umfangreich ausgestattet. Egal ob Prüfröhrchen für nahezu jeden erdenklichen Stoff, diverse Mehrgasmessgeräte, Photoionendektoren (PID) oder eine Strahlenschutzsonderausrüstung. Die hochtechnisierte Technik ist für eine Vielzahl unterschiedlicher Anforderungen vorgesehen.

Als weitere Verwendung werden die Fahrzeuge für das Modul „Messen“ im Rahmen der Alarmierungsplanung vorgehalten. Dann besteht ihre Aufgabe darin, Feststellungen einer möglichen Schadstoffausbreitung zum Schutz der Bevölkerung bzw. Messerergebnisse von Schadstoffkonzentrationen, an Einsatzstellen zu ermitteln. Dazu rücken sie zusammen mit einem Führungsfahrzeug sowie einem Messfahrzeug aus.

Die Mitglieder der sogenannten Messzüge „Süd“ und „Nord“ treffen sich neben ihrer normalen Feuerwehrausbildung regelmäßig um sich in Sachen „Messtechnik“ fit zu halten. Der in Traunstein von Maximilian Schubert geleitete Messzug Süd besteht seit einigen Jahren aus Mitgliedern der Feuerwehren Traunstein und Kammer. Der Messzug Nord in Trostberg steht unter der Leitung von Ralph Rudholzer und wird ausschließlich aus Ehrenamtlichen der eigenen Reihen betrieben.

Beschafft wurden die Fahrzeuge von den Städten Traunstein und Trostberg. Seitens der Regierung von Oberbayern haben beide einen staatlichen Zuschuss zur Beschaffung erhalten. Darüber hinaus beteiligte sich der Landkreis Traunstein mit einem Sonderzuschuss und würdigte damit die überörtliche Bedeutung beider Fahrzeuge für die Feuerwehren in der Region. Die Kosten des laufenden Betriebes werden von den beiden Kommunen getragen. Neben einer jährlichen Pauschale auf Grund der überörtlichen Verwendung finanziert der Landkreis insbesondere die gesamte Messtechnik in der Beschaffung und im Unterhalt. Hob

 

Text

Hubert Hobmaier, Kreisfeuerwehrverband Traunstein e.V.

 

Bilder

Feuerwehren Traunstein und Trostberg

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