In "Technischer Hilfeleistung" auf Zack

Schnaitsee. Mit Erfolg schlossen 22 Floriansjünger aus dem Inspektionsbereich Traunstein Land 4 den Fachlehrgang „Technische Hilfeleistung“ (THL) ab. Die Feuerwehrmänner und -frauen aus dem nördlichen Landkreis Traunstein wurden in Rahmen einer modularen Ausbildung an sechs verschiedenen Standorten umfassend in Theorie und Praxis geschult. Bei einer anspruchsvollen Abschlußprüfung, bei der die Teilnehmer mit unterschiedlichen Einsatzsituationen konfrontiert wurden, zeigten die Kursteilnehmer, was sie während des Kurses gelernt hatten um im Ernstfall effektiv helfen zu können.

Abschluss und Höhepunkt des Lehrganges war ein umfangreicher Praxistest. An drei realistisch nachgestellten Einsatzsituationen mussten die Feuerwehrler das Gelernte und ihre praktischen Fertigkeiten unter Beweis stellen. Zur ersten Prüfungsaufgabe wurden die Kursteilnehmer mit der Alarmmeldung „Eingeklemmte Person in Hochregallager“ zu einem Betriebsunfall gerufen. Ein Arbeiter wurde von einer abgestürzten Palette eingeklemmt und schwerverletzt. Die Helfer mussten den Mann befreien, wozu Improvisation gefragt war, denn hydraulisches Rettungsgerät oder Hebekissen konnten nicht eingesetzt werden, sondern Spanngurte waren die richtige Wahl und die Nutzung physikalischer Hebelgesetze. Auch mussten die Floriansjünger den Schwerverletzten erstversorgen, obendrein auch noch einen Arbeitskollegen, der während der Rettungsarbeiten einen Herzinfarkt erlitt.

Beim zweiten Prüfungseinsatz wurde die Feuerwehr alarmiert, um nach einem Verkehrsunfall die Fahrbahn zu reinigen. Bei Eintreffen an der Unfallstelle fanden die Helfer eine deutlich schlimmere Situation vor. Ein Landwirt hatte mit seinem Pkw mit Anhänger einen Radfahrer angefahren. Der Radfahrer wurde schwerverletzt. Zudem schlug ein, auf dem Anhänger gelagerter Milchtank Leck – die Milch lief in die Kanalisation. Die Feuerwehr-Helfer dichteten das Leck am Tank ab und legten ein Dichtkissen an, um ein Eindringen der Milch zu verhindern. Die Verletzten und unter Schock stehenden Personen wurden von den Floriansjüngern versorgt.

Die Menschenrettung nach einem schweren Verkehrsunfall war die dritte Notfallstation, mit der die Lehrgangsteilnehmer konfrontiert wurden. Zwei Fahrzeuge prallten mit großer Wucht aufeinander, so dass sich der auffahrende Pkw unter den vorausfahrenden schob. Dabei wurden mehrere Personen eingeklemmt, darunter ein Kleinkind und eine Schwangere. Das Übungsziel war erreicht, wenn die Gruppenführer die Lage richtig eingeschätzt und nach der Erkundung sofort weitere Einheiten einbanden, damit mehrere Rettungstrupps gleichzeitig an die Befreiung der Verletzten in den Fahrzeugen gehen konnten. Besonderer Wert wurde auf eine schonende Rettung der eingeklemmten Personen gelegt.

Spezialgeräten wie Rettungsschere, -zylinder und –spreize wurden eingesetzt. Erwartet wurde auch, dass Feuerwehr-Helfer in die Fahrzeuge klettern und die Verletzten erstversorgen und betreuen, bis der Rettungsdienst vor Ort ist. Auch musste die Unfallstelle abgesichert werden. Zudem wurde auf die „Ordnung des Raumes“ geachtet, so dass sich keine „Helfertraube“ um die Unfallfahrzeuge bildet, sondern nur so viele Retter wie nötig unmittelbar an der Rettung arbeiten.

Realistisch nachgestellt wurden die Abschlussübungen von der Gruppe für Realistische Unfalldarstellung des Malteser Hilfsdienstes. Sechs Darsteller sorgten für realitätsnahe Szenarien. Auch „Gaffer“ traten auf, um zu Üben, wie sich Einsatzkräfte verhalten und was gegen sie getan werden kann. Um das Zusammenwirken von technischer und medizinischer Rettung zu trainieren, beteiligten sich auch drei Mitglieder der BRK-Bereitschaft Schnaitsee an der Abschlussprüfung. Nach dem Grundsatz „Ausbildung von Aktiven für Aktive“ wurde der Fachlehrgang an verschiedenen Gerätehäusern abgehalten, in  Emertsham, Obing, Trostberg, Engelsberg, Seebruck (gemeinsam mit Seeon) sowie Schnaitsee (mit Kienberg). Die Auswahl der Ausbildungsorte und die vermittelten Themenbereiche wurden auf die Ausrüstung und Gerätschaften der jeweiligen Feuerwehr abgestimmt.

Am Ende lobten die interessierten Kursteilnehmer das Engagement der Ausbilder, die die Lerninhalte bestens vorbereitet vermittelten und ihre langjährige Einsatzerfahrung, sowie viele Anregungen und Ratschläge für die Umsetzung im Ernstfall weitergaben. Lehrgangsleiter Siegfried Hudelist, 1. Kommandant der Feuerwehr Schnaitsee, Kreisbrandmeister Martin Hochreiter und Josef Linner, Fach-Kreisbrandmeister „Ausbildung“ sowie die Prüfer Simone Ober, Klaus Thurner und Georg Wimmer würdigten die hohe Motivation, den Eifer und die ausgezeichneten Prüfungsergebnisse der 22 Absolventen.

Bericht: Peter Volk (KFV-Pressesprecher)
Bilder: Siegfried Hudelist / Freiw. Feuerwehr Schnaitsee

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