"Landwirtschaftliches Anwesen in Vollbrand" - Großübung in Emertsham

Emertsham. „B 4 - Brand eines landwirtschaftlichen Anwesens in der Altenhamer Straße“ – das war die Alarmmeldung und somit Ausgangslage für eine Einsatzübung der Feuerwehren im nördlichen Landkreis Traunstein. 150 ehrenamtliche Einsatzkräfte übten gemeinsam, wie ein Brand der Kategorie B 4 – Großbrand - bekämpft werden kann. Geübt wurde dabei vor allem die Koordination und Zusammenarbeit mehrerer Feuerwehren, die Vermisstensuche und Menschenrettung aus dem brennenden Anwesen und das taktische Vorgehen.   

Nach der Alarmierung rückten zehn Feuerwehren an und erfuhren noch auf der Anfahrt zum Brandort, dass sechs Personen vermisst sind, die in dem brennenden Gebäude vermutet wurden. Werner Kraus, 2. Kommandant der Feuerwehr Emertsham und Leiter des Einsatzes, entschied eine Unterteilung in vier Einsatzabschnitte. Dabei hatte der Einsatzabschnitt „Menschenrettung“ mit der Suche nach Vermissten und der Rettung von Verletzten oberste Priorität. Insgesamt 15 Atemschutztrupps, insgesamt 30 Dienstleistende, rückten im Innenangriff vor und suchten Raum für Raum ab. Eine halbe Stunde nach Alarmierung waren alle vermissten und verletzten Personen gefunden und in Sicherheit gebracht. Rund um das Anwesen postierten sich währenddessen die Löschtrupps und spritzen aus allen Strahlrohren Wasser auf das angenommene Feuer. Auch zwei Drehleitern der Feuerwehren Trostberg und Obing wurden in Stellung gebracht, um aus luftiger Höhe Wasser auf das Feuer spritzen zu können. Der Löschangriff wurde in zwei Abschnitte – Ost und West – geteilt, deren Einsatzkräfte sich jeweils nach Kräften bemühten ihre Aufgaben schnell und effektiv zu erledigen und ein Ausbreiten des Feuers auf benachbarte Gebäude zu verhindern. Die Kräfte im Einsatzabschnitt 4 hatten die Aufgabe zwei, 700 Meter lange Schlauchleitung von einer Zisterne am Lagerhaus in der Kienberger Straße bis zum Brandort zu verlegen und damit die Löschwasserversorgung sicherzustellen. Nach 50 Minuten intensiver Löscharbeiten meldete die Einsatzleitung „Feuer aus.“ Bis es soweit war, dass die Teilnehmer durchschnaufen konnten, lies sich die Übungsleitung noch einige „gemeine Hürden“ im Drehbuch einfallen: Plötzlich ging der Notruf eines Atemschutztrupps ein. Die beiden Floriansjünger hatten sich überanstrengt und waren im verrauchten Gebäude zusammengebrochen. Ein Rettungstrupp, ebenfalls geschützt mit Atemschutzgeräten, eilte den Kameraden zu Hilfe, brachten sie ins Freie und leistete Erste Hilfe. Schon wurden die Übenden vor ein weiteres Problem gestellt: Eine der beiden Drehleitern war mit einem technischen Defekt ausgefallen - sie könne nicht länger eingesetzt werden, so das Szenario. Die Einsatzleitung musste improvisieren und über eine neue Taktik entscheiden. Tatkräftige Hilfe bei der Leitung des umfangreichen Einsatzes erhielt Werner Kraus von Mitgliedern der Kreisbrandinspektion und der Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung (UG-ÖEL), die sich um die Sicherstellung der Kommunikation und die Dokumentation des Einsatzes kümmerte.

Bei der Nachbesprechung im Feuerwehrhaus, bei der die Ehrenamtlichen mit einer stärkenden Brotzeit belohnt wurden, dankten Sebastian Lipp, 1. Kommandant der Feuerwehr Emertsham und Kreisbrandmeister Alexander Heide, die die Großübung initiiert hatten, für das engagierte Üben der mitwirkenden Feuerwehrkräfte aus Emertsham, Kienberg, Trostberg, Engelsberg, Tacherting, Peterskirchen, Obing, Oberfeldkirchen, Kirchstätt und Feichten an der Alz (Lkr. Altötting) sowie der Helfer des Bayerischen Roten Kreuzes. Mit Schminke präpariert und täuschend echt in Szene gesetzt wurden die Verletzungen von der Gruppe für Realistische Unfalldarstellung des Malteser Hilfsdienst Traunstein. Lobende Worte für das ehrenamtliche Engagement aller Mitwirkenden gab es von Tachertings 1. Bürgermeister Hans Hellmeier. Gedankt wurden auch Anton Stecher, der sein Anwesen für die Großübung zur Verfügung stellte. Den sehr guten Verlauf der Übung, bei der professionelle Arbeit gezeigt wurde, würdigten Kreisbrandinspektor Sepp Egginger, die Kreisbrandmeister Martin Hochreiter und Alexander Heide, ebenso Alexander Erber (Fachberater Atemschutz), die als Übungsbeobachter ein Auge darauf warfen, wo Verbesserungen möglich sind. Die Organisatoren freuten sich auch über die vielen Zuschauer, die trotz regnerischem Wetter ihr Interesse an der Übung und der Arbeit der Feuerwehren  zeigten. 

Text: Peter Volk / Simone Ober
Bilder: Simone Ober    

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