Übungstag im "Menschen retten und Feuer löschen"

Schnaitsee. Eine bewusstlose Person in einem alten Kalksilo, Rauch aus einem Wohnhaus und ein, um Hilfe rufender Bewohner am Fenster, ein Schwerverletzten unter Holzstämmen eingeklemmt und ein Blitzeinschlag am Weitsee, durch den mehrere Personen verletzt werden, eine Mensch leblos am Ufer liegt – diese und weitere, täuschend echt nachgestellte Notfallszenarien forderten Feuerwehren und Rettungsdienste beim großen gemeinsamen Übungstag. Rund 300 ehrenamtliche Einsatzkräfte wurden dabei auf die Probe gestellt und herausgefordert: Die inszenierten Unfälle und Notfallsituationen mussten – wie im tatsächlichen „echten“ Einsatz - schnell, fachgerecht und unter Beachtung von Sicherheitsvorschriften abgearbeitet werden.  

 

Das Großaufgebot der Übungsteilnehmer bestand aus Aktiven der Feuerwehren Schnaitsee, Kirchstätt, Waldhausen, Seebruck, Seeon, Truchtlaching, Obing, Pittenhart, Rabenden, Kienberg, Albertaich, Altenmarkt und der Betriebsfeuerwehr Alzmetall, Sanitätern des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) Traunstein und der Wasserwacht Schnaitsee, Helfern des Technischen Hilfswerks (THW) Traunreut sowie Übungsteilnehmern von Bundeswehr und Polizei. Für die täuschend echt angeschminkten Verletzungen und die schauspielerische Darstellung sorgte die Gruppe für Realistische Unfalldarstellung des Malteser Hilfsdienstes; auch stellten sich Feuerwehrhelfer als Komparsen zur Verfügung.

 

Was die Einsatzkräfte an den Notfallstationen erwartete, blieb vorab geheim. Nachdem die Rettungs- und Löschtrupps an den Unfallstellen angekommen waren, musste die Lage erkundet werden und damit erst war bekannt, welche Art von Notfall oder Unglück zu meistern war. Ausrichter des Übungstages im Inspektionsbereich Florian Traunstein Land 4-2 (nordwestlicher Landkreis Traunstein) waren die Feuerwehren Schnaitsee, Waldhausen und Kirchstätt, unterstützt von Kreisbrandinspektor Josef Egginger und Kreisbrandmeister Martin Hochreiter. Koordiniert wurde der Übungstag von einer Übungsleitstelle aus, die die teilnehmenden Einheiten vom Bereitstellungsraum in Rumering aus zu den verschiedenen Einsatzstellen beorderte.

 

In Szene gesetzt wurde ein Unfall auf einem Holzlagerplatz. Mehrere Baumstämme lösten sich von einem Stapel und begruben einen Mann unter sich. Der darunter eingeklemmte Schwerverletzte musste von den Floriansjüngern mit hydraulischen Rettungsgeräten oder Hebekissen befreit, erstversorgt und dem Rettungsdienst zur weiteren Behandlung übergeben werden. Spektakulär auch ein Verkehrsunfall, bei dem ein Pkw von der Straße abgekommen und gegen einen Stromverteilerkasten geprallt war. Hier mussten die Übenden neben der Rettung und Erstversorgung des Fahrers vor allem die Gefahr durch elektrischen Strom erkennen, die Unfallstelle absichern und für die Stromabschaltung sorgen. Aus einem Kalksilo, in dem eine niedrige Sauerstoffkonzentration herrschte mussten Atemschutzträger der Feuerwehr eine bewusstlose Person retten. Eine aufgeregt umherlaufende, um Hilfe schreiende Person, war von den Einsatzkräften zu beruhigen und zu betreuen. Über Steckleitern mussten die Feuerwehrler die Bewohnerin eines Hauses in Waldhausen retten. Im ersten Obergeschoss war ein Schwelbrand ausgebrochen, doch über das Treppenhaus konnte die Betroffene nicht in Sicherheit gebracht werden. Auch musste das Feuer gelöscht werden. Eine große Herausforderung für die Rettungskräfte war der Einsatz nach einem angenommenen Blitzeinschlag am Weitsee. Zahlreiche Badegäste werden verletzt, eine Person muss reanimiert werden. Die  Maßnahmen der Wiederbelebung musste an einer Übungspuppe demonstriert werden. Zudem war Aufgabe einen Landeplatz für einen Rettungshubschrauber vorzubereiten und wegen der eintretenden Dunkelheit auszuleuchten. Ein weiterer Verkehrsunfall, bei dem ein Radfahrer von einem Auto erfasst und mit offenen Wunden auf der Straße liegenblieb, forderte die Floriansjünger in Sachen „Erste Hilfe“. Zahlreiche Übungsbeobachter standen mit Block und Stift parat und notierten, was gut gelaufen war oder besser gemacht werden könnte. Besprochen wurden Lob und Tadel jeweils am Ende der jeweiligen Übung.

Kreisbrandrat Christof Grundner, Kreisbrandinspektor Josef Egginger und Kreisbrandmeister Martin Hochreiter zogen zum Abschluss des vierstündigen Übungsmarathons ein positives Fazit. Alle Aufgaben seien konzentriert und reibungslos erledigt worden; bei allen Notfallstationen wurde routiniert und ruhig gearbeitet. Die drei Mitglieder der Kreisbrandinspektion lobten zudem die Zusammenarbeit der verschiedenen Hilfsorganisationen: „Das hat hervorragend funktioniert“. Das Prädikat „besonders wertvoll“ verdiene der Übungstag deshalb, weil junge Führungskräfte - Einsatzleiter und Gruppenführer - die Möglichkeit hatten unter sehr realitätsnahen Bedingungen zu üben. „Die Übungsteilnehmer waren motiviert und mit Engagement bei der Sache. Sie arbeiteten professionell, als wären es richtige Notfälle gewesen“, würdigten die Übungsbeobachter. Und Kreisbrandinspektor Egginger kündigte an, dass es eine Neuauflage des Übungstages geben werde. Auch 1. Bürgermeister Thomas Schmidinger überzeugte sich von der Leistungsfähigkeit der ehrenamtlichen Feuerwehr- und Rettungskräfte. Er dankte für das Engagement und den Einsatz zugunsten des Gemeinwohls. Nach mehr als vier Stunden Übungsmarathon gab es für die Übungsteilnehmer eine Brotzeit und Getränke, spendiert von der Gemeinde Schnaitsee und der Schlossbrauerei Stein.

Bericht: Peter Volk
Bilder: Simone Ober

zurück