Ein 16-Tonner für brisante Einsätze

Traunreut. Die Bundesrepublik Deutschland unterstützt die Feuerwehren und Katastrophenschutzeinheiten des Landes mit ganz spezieller Einsatzausrüstung, die „im Fall der Fälle“ auch überörtlich zum Einsatz kommt. Im Landkreis Traunstein befinden sich an unterschiedlichen Standorten der Freiwilligen Feuerwehren mehrere dieser Sondereinsatzfahrzeuge. Der bei der Feuerwehr Stein an der Traun (Traunreut) stationierte Gerätewagen Dekontamination Personal (GW Dekon-P) ist eines dieser Fahrzeuge.

Seit 2015 ist dieses Sonderfahrzeug der Feuerwehren im Landkreis Traunstein bei der Feuerwehr in der Landkreismitte stationiert. Der Zuständigkeitsbereich endet jedoch nicht an den Gemeindegrenzen, vielmehr ist dieses für die gesamte Region vorgesehen und kommt im weiten Umkreis zum Einsatz. Darüber hinaus kann es für weitere Zwecke des Bevölkerungs- und Katastrophenschutzes verwendet werden und erfordert ein hohes Maß an Spezialwissen der Feuerwehrangehörigen.

Die Hauptaufgabe des GW Dekon-P besteht darin, Einsatzkräfte die während Gefahrguteinsätzen mit Chemikalien, radioaktiven oder biologischen Stoffen in Berührung gekommen sind zu reinigen (dekontaminieren). Dazu befinden sich auf der Ladefläche des 16 Tonners zahlreiche spezielle Ausrüstungen, die sonst auf keinem Feuerwehrfahrzeug zu finden sind. Die Gerätschaften sind auf sieben Rollwägen verteilt, was den Transport der teilweise schweren Gegenstände immens erleichtert.

Neben einer transportablen Duschkabine sowie einem großzügigen Duschzelt befindet sich die gesamte „sanitäre“ Infrastruktur für eine hohe Anzahl an Einsatzkräften in der mitgeführten Beladung. Als einer der großen Vorteile gilt die zeitliche schnelle Betriebsbereitschaft an der Einsatzstelle. Binnen weniger Minuten ist die Dekontaminationsstelle einsatzbereit. Der Grund, mit Hilfe von Druckluft ist nahezu die gesamte Ausrüstung in wenigen Augenblicken aufgeblasen. Zudem kann auf eine Heizkanone zugegriffen werden, die insbesondere bei niedrigeren Temperaturen für den Wärmeerhalt der Einsatzkräfte sorgt.

Um die Wasserversorgung sicher zu stellen, kann das Fahrzeug selbstständig bis zu 2000 Liter Trinkwasser mitführen. Ein Durchlauferhitzer samt den dazugehörigen Pumpen, Armaturen und Schläuche sind ebenfalls an Board, so dass auch Heißwasser bereitgestellt werden kann. Die Tanks sind sowohl für Frischwasser als auch für Brauchwasser ausgelegt. Somit kann das Schmutzwasser direkt aufgefangen werden, was eine Verschleppung gefährlicher Stoffe verhindert.

Insgesamt bietet das Fahrzeug für sechs Einsatzkräfte Platz. Dies sind neben den Maschinisten, der Staffelführer und vier Feuerwehrfrauen und –Männer. Bei dem dieselbetriebenen Gerätewagen handelt es sich um einen MAN Pritschenwagen mit Doppelkabine und einer Ladeboardwand der Firma Dautel. Das Fahrzeug wurde von der Firma Freytag Karosseriebau aufgebaut. Es verfügt über permanenten Allradbetrieb mit automatischem Schaltgetriebe und ist voll geländefähig. Die Motorleistung beträgt 251 kW (ca. 340 PS) mit einer Höchstgeschwindigkeit von 109 km/h. Die zulässige Gesamtmasse in beladenem Zustand beträgt 16 Tonnen.

Seit der Zuteilung gibt es bei der Freiwilligen Feuerwehr Stein an der Traun eine eigene Übungsgruppe. Als Leiter der Gruppe sind Matthias Schatz und Martin Wallner bestellt. Die Mannschaft besteht aus mehr als 15 motivierten und hochqualifizierten Mitgliedern. Es werden beispielsweise der Aufbau der Zelte inklusive der Wasserversorgung, die Reinigung der kontaminierten Personen oder das richtige An- und Ausziehen der Schutzausrüstung geübt. Zudem ist eine große Menge Theoriewissen gefordert, um im Einsatz professionell und sicher handeln zu können.

Im Katastrophenfall wird der Gerätewagen als Logistikfahrzeug, also zum Transport von Einsatzmitteln, verwendet. Darüber hinaus kann ihn die Feuerwehr Stein auch für den Einsatzdienst im Rahmen des „Alltagsgeschäftes“ verwenden. Das Fahrzeug ist in vielfältiger Weise in den Regelbetrieb der Wehr eingebunden und unterstützt die die Aktiven regelmäßig. Egal ob es sich um eine Absicherung im Straßenverkehr handelt oder Personal- und Materialnachschub gefordert ist, dieses Fahrzeug stellt eine sinnvolle Ergänzung für die Feuerwehren im Landkreis Traunstein dar.

 

Text

Eva Pregler, Hubert Hobmaier

Kreisfeuerwehrverband Traunstein e.V.

Bilder

Feuerwehr Stein

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