100 Feuerwehr- und Rettungskräfte bei Übungsmarathon

Kirchanschöring. Rund 100 Feuerwehrmänner und –frauen, Helferinnen und Helfer des Bayerischen Roten Kreuzes und Technischen Hilfswerkes sowie Polizei und Bundeswehr trafen sich zu einem Übungstag. An acht Übungsstellen im Gemeindegebiet mit realistisch nachgestellten Notfallsituationen konnten die ehrenamtlichen Einsatzkräfte das Löschen von Bränden, Technische Hilfeleistungen und die Menschenrettung üben. Zugleich wurden die Koordination verschiedener Einheiten und die Zusammenarbeit der Hilfs- und Rettungsdienste trainiert. Am Ende des Übungsmarathons zeigten sich die Teilnehmer begeistert von der Inszenierung der Notfallsituationen und die Übungsbeobachter vom engagierten Mitmachen der ehrenamtlichen.

 

Aufgabe der Rettungskräfte war es, auf Alarm oder Anforderung der „Führungsstelle“ im Gerätehaus Fridolfing zu den verschiedenen Unglückorten zu fahren und dort schnelle Hilfe zu leisten. Was die Helfer erwartete war vorab nicht bekannt. Erst als die Rettungs- und Hilfstrupps an den Übungsstellen ankamen, erfuhren sie, um welche Art von Notfall oder Unglück es sich handelte. Ausrichter des Übungstages waren die Aktiven der Feuerwehr Kirchanschöring in Zusammenarbeit mit Kreisbrandinspektor Günter Wambach und den Kreisbrandmeistern Hans Heinrich und Georg Fleischer.


In Szene gesetzt wurde ein Kellerbrand auf einem Firmengelände. Dabei mussten die Atemschutzträger der Feuerwehr zwei Personen aus völlig verrauchten Räumen retten und das Feuer löschen. Die Floriansjünger kümmerten sich auch um die Erstversorgung der Verletzten bis der BRK-Rettungsdienst eintraf und die weitere Versorgung übernahm. An anderer Stelle musste ein Radfahrer versorgt werden, der sich bei einem Sturz eine schwere Verletzung zuzog. In einem Fahrsilo geriet ein Mann unter eine landwirtschaftliche Maschine und wurde eingeklemmt. Die Feuerwehr befreite den Mann mit hydraulischen Rettungsgeräten; Feuerwehr-Sanitäter versorgten den Schwerverletzten und Notarzt und Rettungsdienst übernahmen die Weiterbehandlung. Aus misslicher Lage zu retten war auch eine Frau, die mit ihrem Arm in einen Getränkeautomaten eingeklemmt war. Spektakulär auch ein Unfall, bei dem eine Person von Hackschnitzeln verschüttet und die Feuerwehr zur Rettung angefordert wurde. Gefragt waren die Erste Hilfe-Kenntnisse der Einsatzkräfte in Bezug auf die Durchführung von Reanimationsmaßnahmen. An Reanimationspuppen war zu zeigen, wie die Notwendigkeit von Wiederbelebungsmaßnahmen geprüft und wie sie letztlich durchzuführen sind. Bei einem inszenierten Gefahrgut-Unfall war es beim Verladen chemischer Stoffe zu einer Reaktion gekommen. Die Floriansjünger sperrten den Gefahrenbereich ab und Atemschutzträger versuchten die ausgetretenen Stoffe zu isolieren oder zu binden.

 

Wie vielfältig der Einsatzalltag von Feuerwehr und Rettungsdienst ist, wurde bei der achten Notfallstation deutlich. „Türöffnung“ – lautete die Alarmmeldung. Hinter der Haustüre eines Wohnhauses war ein heftiger Streit entbrannt, Hilferufe waren zu hören, drei Personen befanden sich in einem psychischen Ausnahmezustand – ein bedrohliche Situation. Die Feuerwehrkräfte sollten anhand der Szene erkennen, wie wichtig der Eigenschutz ist und die Vermeidung jeglicher Gewalteskalation Vorrang zu geben. Die Nachforderung der Polizei war hier das richtige Mittel der Wahl, was die meisten Rettungstrupps auch beachteten.

 

Am Übungstag beteiligten sich die Feuerwehren Kirchanschöring, Fridolfing, Pietling, Petting, Lampoding, Kay, Tittmoning und Törring, zudem Sanitäter des Bayerischen Roten Kreuzes, Helfer des Technischen Hilfswerks Ortsverband Traunreut sowie Polizei, Übungsbeobachter und Verletztendarsteller. Das Team der Realistischen Unfalldarstellung des Roten Kreuzes sorgte mit Schminke und Farbe für täuschend echte Verletzungen. Aktive der Feuerwehren Kirchheim und Kirchanschöring stellten sich als Verletztendarsteller zu Verfügung.

 

Kreisbrandinspektor Günter Wambach und seine Kameraden der Kreisbrandinspektion sowie die kritischen Übungsbeobachter zogen am Ende der vierstündigen Übung eine positive Bilanz. An allen Übungsstellen sei routiniert gearbeitet worden, gepaart mit Improvisationsgabe, notwendigen Sicherungsmaßnahmen und dem Eigenschutz der Einsatzkräfte. Und aus den Fehlern könne man lernen, um es im Ernstfall besser zu machen. Das Ziel jungen Gruppenführern eine anspruchsvolle Übungsplattform zu bieten sei erfüllt worden und die Übenden hätten gezeigt, dass sie bestens ausgebildet sind und professionelle Hilfe leisten.

 

Auch Kirchanschörings Bürgermeister Hans-Jörg Birner überzeugte sich von den Leistungen der Übenden. Er würdigte das Engagement der ausschließlich ehrenamtlichen Übungsteilnehmer, die ihre Freizeit zur Verfügung stellten und mehrere Stunden gemeinsam übten. Ob Floriansjünger, Sanitäter oder Polizei – die Organisatoren dankten allen, die sich das ganze Jahr über ehrenamtlich für die Allgemeinheit einbrachten. Kreisbrandinspektor Wambach würdigte die Ausrichtung des Übungstages durch die Feuerwehr Kirchanschöring, 1. Kommandant Johann Kirchhofer und seine Mitstreiter. Nach dem Übungsmarathon konnten sich die Teilnehmer bei einer, von der Gemeinde Kirchanschöring spendierte Brotzeit stärken.

Text: Peter Volk / Sabine Heinrich

Bilder: Sabine Heinrich

 

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