Bei den Feuerwehren sind alle herzlich willkommen

Traunstein/Trostberg. „Wir können uns gar nicht vorstellen, vor welchen Herausforderungen unsere Neubürger oft stehen“, erklärt Gabriele Bauer-Stadler, die Leiterin des Bildungszentrums der Max Aicher Stiftung. „Selbst vermeintlich einfache Dinge wie das Ablesen eines Wasserzählers oder das Wählen der Notrufnummer sind große Herausforderungen, die es zu meistern gilt.“ Im Rahmen eines Qualifizierungsprojektes in Kooperation des Landratsamtes Traunstein mit der Diakonie und des Helferkreises Trostberg fanden bei den Feuerwehren Traunstein und Trostberg zwei Brandschutzschulungen für Asylsuchende statt.

Andreas Zeiser, 2. Kommandant der Feuerwehr Traunstein, war für 16 Personen aus dem Iran, Irak, Nigeria, Afghanistan und Sierra Leone einen Tag lang Ansprechpartner in Sachen vorbeugender Brandschutz. Die Teilnehmer erlernten unter anderem die Bedienung eines Feuerlöschers sowie das Löschen von Kleinbränden. Natürlich durfte auch eine Führung durch das Feuerwehhaus nicht fehlen. Fahrzeuge und Gerätschaften der Feuerwehr wurden dabei ausführlich unter die Lupe genommen. Hellauf begeistert zeigte sich Zeiser vom Engagement der Besucher. „Es hat mir richtig viel Spaß gemacht, den Asylsuchenden zur Brandverhütung etwas beizubringen und das Feuerlöschtraining war eine Riesengaudi“, so Zeiser.

Die Trostberger Feuerwehrkameraden Bastian Sedlmaier-Orwat und Stefan Penkner waren Gastgeber für zehn Personen aus Afghanistan, Nigeria, Pakistan und Eritrea. In ihrem Vortrag konzentrierten sie sich darauf, die Struktur der ehrenamtlichen Feuerwehren in Bayern zu erklären. Darüber hinaus stellten sie die Schutzkleidung und die Spezialausrüstung für Atemschutzgeräteträger vor. Zudem wurde den Besucher das richtige Verhalten im Brandfall und die Notwendigkeit wie die Funktion eines Rauchwarnmelders erklärt. Im praktischen Teil durften sich allesamt am Feuerlöschtrainer als „Löschmeister“ unter Beweis stellen. Für den Trostberger Zugführer Bastian Sedlmaier-Orwat war dies ein absolut wichtiger Tag. „Aus meiner Sicht haben sie bei uns ganz viel mitgenommen und waren von der Themenauswahl total begeistert“.

„Unsere Feuerwehren leisten einen enormen Beitrag für die Gesellschaft“, erklärt Kreisbrandrat Christof Grundner. „Sie helfen, wenn Mensch und Tier in einer Notlage sind oder schützen Sachwerte, sobald Gefahr droht.“ Allerdings werde in der Öffentlichkeit häufig nicht wahrgenommen, dass unsere Ehrenamtlichen auch in der Brandschutzerziehung und im vorbeugenden Brandschutz sehr aktiv sind. „Egal ob Kindergarten, Schule, Vereine oder Betriebe - bei uns ist jeder herzlich willkommen, der Fragen zum Brandschutz oder zur Feuerwehr hat, oder sich ehrenamtlich engagieren möchte“, so Grundner weiter.

Ganz besonders freute den Kreisbrandrat, dass es mittlerweile sehr viele Beispiele gelungener Integration bei den Feuerwehren gibt. Nicht nur Asylsuchende seien in den Feuerwehren aktiv, vielmehr leisten eine ganze Reihe von Kameradinnen und Kameraden mit Migrationshintergrund ehrenamtliche Dienste für die Allgemeinheit. „Genau das formt eine Gemeinschaft, hilft Vorurteile abzubauen, fördert die Kameradschaft und das gegenseitige Verständnis“, so Traunsteins oberster Brandschützer stolz.

Dies gelte aber nicht nur für den Bereich des Kreisfeuerwehrverbandes Traunstein. Sowohl im Bezirk Oberbayern, als auch für den gesamten Bereich des Landesfeuerwehrverbandes Bayern habe einerseits die Brandschutzerziehung, andererseits die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund einen hohen Stellenwert. Für die Feuerwehren spiele es keine Rolle, welche Staatsangehörigkeit vorliegt oder welcher Religion man sich zugehörig fühlt. Wichtig ist es, mit anzupacken, wenn der Alarm zum Einsatz ruft. Gleiches gelte jedoch auch, so der Kreisbrandrat und stellvertretende Bezirksvorsitzende, für gesellschaftliche Ereignisse einer Feuerwehr, wie Feste, Feiern und Jubiläen.

Selbiges ist auch Ziel der Max Aicher Stiftung: Bildung für Alle, unabhängig von Nationalität, Religion oder Status. Mit zahlreichen Qualifizierungsmaßnahmen werden insbesondere Menschen unterstützt, die besonders auf Hilfe angewiesen. Aktuell werden vom Bildungszentrum Max Aicher in 14 Kursen rund 160 Zuwanderer geschult. So werden unter anderem Schulungen wie die „Mieterqualifizierung“ angeboten. Hier lernen die Teilnehmer, wie „Wohnen in Deutschland funktioniert“, erklärt die zuständige Lehrkraft Lara-Sophie Burczyk. Dieser Kurs beinhaltet auch den Besuch bei der Feuerwehr. Dabei erwerben die Teilnehmer Kompetenzen, wie das Absetzen eines Notrufes oder die Handhabung eines Feuerlöschers. Von den Besuchen bei den Feuerwehren in Traunstein und Trostberg zeigten sich alle Teilnehmer vollends begeistert. „Da ist jede Menge Brandschutz- und Feuerwehrwissen hängen geblieben, davon bin ich überzeugt“, so die Kursleiterin.

Text und Bilder: Hubert Hobmaier

 

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