Feuerwehr-Übungstag in Holzhausen: Ein informativer Tag und viel gelernt.

Bergen. Besorgte Blicke in den Gesichtern der Menschen in Holzhausen und Umgebung. Pausenlos fahren Feuerwehrfahrzeuge und Rettungswagen durch den Ort. Ist etwas Schlimmes passiert? Nein, die Sorgenfalten waren unbegründet. Keine geheimnisvolle Unglücksserie war Grund für das starke Auftreten der Einsatzkräfte, sondern ein großer Übungstag der Feuerwehren im südlichen Trauntal und entlang der Autobahn A 8, dem Inspektionsbereich „Traunstein Land 2-1“.


Insgesamt 180 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, davon 125 Feuerwehrler aus Vogling, Ruhpolding, Siegsdorf, Hammer, Eisenärzt, Inzell, Vachendorf, Bergen, Grabenstätt, Erlstätt und Holzhausen, zudem Sanitäter des Bayerischen Roten Kreuzes, Helfer des Technischen Hilfswerks Ortsverband Traunreut sowie Polizei und Übungsbeobachter, Verletztendarsteller und Organisatoren nahmen daran teil. An neun verschiedenen Stellen im Zuständigkeitsgebiet der Feuerwehr Holzhausen wurden Notfallsituationen in Szene gesetzt. Die Gruppe Realistische Unfalldarstellung (RUD) des Malteser Hilfsdienstes sorgte mit Schminke und Farbe für täuschend echte Verletzungen und perfekte schauspielerische Darstellung. Aufgabe der Rettungskräfte war es, auf Alarm oder Anforderung der „Übungs-Leitstelle“ zu den verschiedenen Unglückorten zu fahren und dort schnelle Hilfe zu leisten. Was die Helfer erwartete, blieb vorab geheim. Erst als die Rettungs- und Löschtrupps an den Unfallstellen ankamen, erfuhren sie, um welche Art von Notfall oder Unglück es sich handelte. Ausrichter des Übungstages waren die Aktiven der Feuerwehr Holzhausen unter der Leitung des 1. Kommandant Thomas Zettl, in Zusammenarbeit mit Kreisbrandmeister Stephan Hellmuth.


In Szene gesetzt wurde ein Werkstattbrand in Zeiering. Dabei mussten die Atemschutzträger der Feuerwehr eine vermisste Person in einer völlig verrauchten Garage suchen, in Sicherheit bringen und das Feuer löschen. Auch war ein Mann mit schweren Brandverletzungen zu versorgen, bis der BRK-Rettungsdienst eintraf und die weitere Versorgung übernahm. An anderer Stelle musste eine Person aus einem Silo gerettet werden. Gärgase führten zu Bewusstlosigkeit, einem lebensbedrohlichen Zustand. Wieder mussten Floriansjünger, selbst geschützt durch Atemschutzgeräte, in den Siloschacht steigen, den Betroffenen retten und erstversorgen. Aus misslicher Lage zu retten war auch eine Person, die in einem Hackschnitzelbunker in einer Förderschnecke eingeklemmt war. Spektakulär auch ein Verkehrsunfall bei dem ein Rollerfahrer von der Straße abgekommen war und eine steile Böschung hinabstürzte. Die Feuerwehr unterstützte die Rettung aus schwierigem Gelände. Bei einem inszenierten Forstunfall zog sich eine Person eine Amputationsverletzung zu. Auch hier waren die Feuerwehr-Helfer bei der Menschenrettung sowie Erstversorgung des Schwerverletzten gefordert. In Eckering waren Holzabfälle in Brand geraten, Flammen schlugen aus einem Container und starker Brandrauch stieg auf. Das Feuer musste rasch gelöscht und eine junge Frau, die sich eine Rauchgasvergiftung zugezogen hatte, erstversorgt werden. Ein, für die Einsatzkräfte herausforderndes Szenario war ein Verkehrsunfall mit zwei beteiligten Fahrzeugen. Verletzte waren in den Fahrzeugen eingeklemmt. Mit hydraulischen Rettungsgeräten mussten die Verletzten befreit werden – die schwierige und schweißtreibende Rettungsaktion forderte die Übenden. Nicht minder anspruchsvoll ein Notfall in einer Kiesgrube. Ein Radlader war verunglückt, eine Person verschüttet. Floriansjünger und THW-Helfer rückten zur technische Hilfe und Menschenrettung an. Dass die Feuerwehr „Mädchen für Alles“ ist und wie vielfältig der Einsatzalltag sein kann, wurde bei der neunten Notfallstation deutlich. „Türöffnung“ – lautete die Alarmmeldung. Hinter der Haustüre eines Wohnhauses war ein heftiger Streit zwischen einem Mann und einer Frau zu hören, verbale Bedrohungen, Hilferufe. Eine Polizeistreife war noch nicht vor Ort, weshalb der Feuerwehr „freie Hand“ gegeben wurde, die Türe bei Bedarf zu öffnen, um der offensichtlich bedrohten Frau Hilfe zu leisten. Der Gruppenführer des eingesetzten Feuerwehr-Trupps tat jedoch das einzige Richtige: Er zog sich mit seinen Helfern zurück, denn Eigenschutz vor Gewalteskalation hat absoluten Vorrang. Wie richtig dies in der nachgestellten Situation war, stellte sich später heraus, als die Polizei den rabiaten Mann entwaffnete und in Handschellen abführte.

 

Koordiniert wurde der Übungstag von der Übungsleitstelle „Florian Holzhausen“ aus, die aus den drei Einsatzleitfahrzeugen der Feuerwehren Bergen, Erlstätt und Holzhausen gebildet wurde. Auch die Unterstützungsgruppe Sanitätseinsatzleitung (UG SAN-EL) des BRK war in der Nähe stationiert. Von der Übungsleitstelle aus wurden die Einheiten zu den Einsätzen beordert und die gesamte Kommunikation sichergestellt.


Kreisbrandrat Christof Grundner, Kreisbrandmeister Stephan Hellmuth sowie die kritischen Übungsbeobachter zogen am Ende der fünfstündigen Übung eine positive Bilanz der gezeigten Leistungen. An allen Übungsstellen sei routiniert gearbeitet worden, gepaart von Improvisationsgabe und mit Blick auf notwendige Sicherungsmaßnahmen und den Eigenschutz der Einsatzkräfte. Hellmuth sah das, zu Beginn ausgegebene Ziel der Gemeinschaftsübung erfüllt: „Alle sollen sagen können, dass es ein informativer Tag war und viel gelernt haben.“ Die Übungen hätten gezeigt, dass die Feuerwehren insgesamt bestens ausgebildet sind und professionelle Hilfe leisten.

 

Die Bürgermeister Georg Schützinger (Grabenstätt) und Stefan Schneider (Bergen) überzeugten sich von der Leistung der Übenden. Schneider würdigte das Engagement der ausschließlich ehrenamtlichen Übungsteilnehmer, die sich Zeit genommen hatten, mehrere Stunden gemeinsam zu üben. „Üben sei eine wichtige Voraussetzung, um im Ernstfall zu bestehen und erfolgreich helfen zu können“, so Schneider. Ob Floriansjünger oder Sanitäter, Schneider dankte allen, die sich das ganze Jahr über ehrenamtlich für die Allgemeinheit einbringen. Kreisbrandrat Grundner betonte, dass die mittlerweile etablierten Übungstage eine gute Chance bieten Erfahrung zu sammeln und Verbesserungen in Taktik und Einsatzbewältigung anzustoßen. Er würdigte die Ausrichtung des Übungstages durch die Feuerwehr Holzhausen, 1. Kommandant Zettl und seine Mitstreiter. Nach dem Übungsmarathon konnten sich die Teilnehmer bei einer, von der Gemeinde Bergen spendierten Brotzeit stärken.

Bericht: Peter Volk
Bilder: Peter Volk, Michael Wimmer, FF Bergen 

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