Eine Flamme als Zeichen für Menschlichkeit und Zusammenhalt

Tittmoning. Das Friedenslicht aus Bethlehem ist im Landkreis Traunstein angekommen. Die Kerzenflamme, die alljährlich zu Beginn des Advent im Rahmen der Aktion „Licht ins Dunkel“ des österreichischen Rundfunks in der Geburtsstadt Jesu Christi entzündet und sich über eine Stafette in ganz Europa verbreitet, wurde am Mittwochabend von mehreren Hundert Buben und Mädchen der Jugendfeuerwehren aus dem Landkreis Traunstein bei einer Feierstunde auf dem weihnachtlich geschmückten Stadtplatz entgegengenommen. Überbringer der symbolischen Friedensflamme war die  Jugendfeuerwehr aus dem Bezirk Braunau. Eine große österreichische Abordnung marschierte, flankiert von Fackelträgern, durch das Stadttor bis vor das Tittmoninger Rathaus. In deren Mitte in Laternen – behütet wie ein Schatz - die in Bethlehem entzündete Kerzenflamme.

Die 15-jährige Christine von der Jugendfeuerwehr St. Radegund, begrüßte die vielen Gäste auf dem Stadtplatz im Namen der Feuerwehrjugend aus dem Bezirk Braunau. Das Licht aus der Geburtsgrotte Christi sei ein Zeichen für den Frieden und die enge Verbundenheit der Feuerwehren aus Österreich und Deutschland. „Seht dieses Licht als Auftrag für den Frieden, auch wenn es aus einer Krisenregion kommt“, forderte die 15-Jährige auf. Das kleine Licht könne geteilt werden und damit werde es nicht müde. „Ganz im Gegenteil, je öfter es geteilt wird, umso stärker ist die Botschaft, die das Friedenslicht mit sich bringt.“
  

Die Übergabe des Friedenslichts beschließe für die Feuerwehren alljährlich das Jahr, in den Gerätehäusern kehre Ruhe ein und die Übungstätigkeit werde eingestellt, berichtete Kreisbrandrat Christof Grundner. Die rund 4500 Freiwilligen in den Wehren im Landkreis Traunstein wenden alljährlich ihre Freizeit dafür auf, dem Nächsten in Not zu helfen. Die Advents- und Weihnachtszeit und das Friedenslicht aus Bethlehem seien für die Floriansjünger ein wertvoller Anstoß um innere Ruhe zu finden, das im Einsatz Erlebte einzuordnen und zu akzeptieren, dass die Hilfe der Feuerwehren auch an Grenzen stoße, wenn beispielsweise ein Menschenleben nicht mehr gerettet werden konnte.
  

Für stellvertretende Landrätin Resi Schmidhuber rege das Friedenslicht zum Nachdenken an. In Frieden leben zu dürfen, werde als selbstverständlich angesehen, und die Gesellschaft verliere mehr und mehr das Vertrauen, das Frieden wertvoll ist. „Mitmenschlichkeit, Friedfertigkeit und Zusammenhalt sind das höchste Gut“, betonte Schmidhuber. Das Friedenslicht repräsentiere diese Werte und sei ein symbolisches Zeichen und Auftrag diese Werte weiterzugeben.

Für Dr. Georg Wojak, Bezirkshauptmann im Friedensbezirk Braunau, ist das Friedenslicht und die traditionelle  Übergabefeier in Tittmoning ein Zeitpunkt des Neubeginns. Der Frieden müsse immer wieder aufs Neue weitergegeben und gefördert werden. Deshalb forderte auch Wojak dazu auf die Friedensflamme zu teilen. „Je mehr sie geteilt wird, desto besser ist es für den Frieden.“ Mit dem Friedenslicht als Symbol vertiefe und verlängere sich der Frieden zwischen den Menschen dies und jenseits der Salzach.

Konrad Schupfner, 1. Bürgermeister der Stadt Tittmoning, zeigte seine Freude, dass die Salzachstadt seit fast 20 Jahren Gastgeber für die Übergabefeier sein darf. Es sei der Höhepunkt des Advents auf dem Tittmoninger Stadtplatz. Schupfner zitierte aus dem Buch Jesaja: „Ich habe dich geschaffen und dazu bestimmt, der Bund für mein Volk und das Licht für die Völker zu sein.“ Und er bat die Besucher auf dem Stadtplatz und die Buben und Mädchen der Jugendfeuerwehren das Friedenslicht in die Welt und zu den Menschen im Landkreis Traunstein zu bringen. Er wünschte zudem allen eine gesegnete und frohe Weihnacht.

Zum Ende der Feierstunde wurde die Flamme von Kerze zu Kerze weitergereicht, von den österreichischen Jugendfeuerwehrlern an die bayerischen Kameraden. Konrad Schupfner und Kreisbrandrat Christof Grundner waren die Ersten, denen die Kerzenflamme von Jugendfeuerwehrlern überreicht wurde. Die Feuerwehrjugend aus dem Landkreis Traunstein brachten das Friedenslicht anschließend in ihre Heimatstädte und –gemeinden, wo sie zum Teil noch am Abend von Haus zu Haus gingen und verteilten oder es in die örtlichen Kirchen brachten, von wo es in den nächsten Tagen mit nach Hause genommen werden kann. Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde auf dem Stadtplatz von der Musikkapelle Inzing-Törring.

Bericht und Bilder: Peter Volk 

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