Schnellere Hilfe auf Ungarns Straßen

Traunstein. Eine Delegation der Freiwilligen Feuerwehr Bakonyoszlop/Ungarn war nach Traunstein gekommen, um sich bei der Freiwilligen Feuerwehr Traunstein und der Freiwilligen Feuerwehr Surberg sowie bei den zahlreichen Sponsoren für die Beschaffung eines Tanklöschfahrzeugs zu bedanken. Mit einer Spendenaktion hatten die beiden Feuerwehren, insbesondere Franz Reitschuh, Herbert Enthofer und Stefan Burghartswieser, den Kauf eines gebrauchten Feuerwehrfahrzeugs der Freiwilligen Feuerwehr Neukirchen ermöglicht und die ungarischen Feuerwehrkameraden mit dessen Übergabe überrascht.

Die Stadt Traunstein hatte der Feuerwehr des ungarischen Ortes Bakonyoszlop vor drei Jahren bereits ein Tanklöschfahrzeug spendet. Nach den Worten des Surberger Feuerwehrkommandanten Stefan Burghartswieser bestand jedoch der Wunsch nach einem zweiten Fahrzeug, weil die dortige Feuerwehr aufgebaut werde. Allerdings erhalten die Freiwilligen Feuerwehren in Ungarn fast keine Zuschüsse. Das Feuerwehrwesen ist daher mehr auf Eigeninitiative aufgebaut. Zudem haben die Feuerwehren großflächige Strukturen. Der Ort Bakonyoszlop liegt an der vielbefahrenen Hauptstraße zwischen Raab (Györ) und dem Plattensee (Balaton) mit vielen Verkehrsunfällen.

 
„Als der Wunsch eines zweiten Fahrzeugs an uns herangetragen wurde, war klar, dass wir uns für unsere ungarischen Freunde umschauen werden“, so Burghartswieser. In vergangenen Jahr musterte die Neukirchener Feuerwehr ihr altes, aber sehr gepflegtes Tanklöschfahrzeug aus. Ein direkter Kauf von der Gemeinde Teisendorf war jedoch nicht möglich. Das Fahrzeug wurde vielmehr bei einer „Zollaktion“ im Internet versteigert. Weil man nicht wusste, woher man das Geld bekommen sollte, wurde die Idee geboren, Spender um Hilfe zu bitten. Mit deren Geld wurde die Grundlage geschaffen, um letztlich erfolgreich in die Versteigerung einzusteigen.


Als die Traunsteiner und Surberger Feuerwehrleute das Fahrzeug abholen wollten, war es bereits ein halbes Jahr im Freien gestanden, sodass nichts mehr ging. Die Batterien waren kaputt. Es mussten neue gekauft werden. Außerdem waren der Kundendienst, TÜV und auch sonst einige Sachen fällig, sodass man wieder auf die Suche nach Sponsoren gehen musste. Schließlich war das Fahrzeug wieder in Schuss und wurde mit der notwendigen Beladung aufgerüstet. Es stellte jetzt einen Wert von rund 40 000 Euro dar. Mit der Feuerwehr von Bakonyoszlop wurde der Termin einer Spendenübergabe vereinbart. Sie wusste allerdings nicht, dass sie ein zweites Fahrzeug bekommen würde, denn darüber wurde Stillschweigen vereinbart. Wie groß die Überraschung und Freude war, als die Traunsteiner und Surberger mit dem Tanklöschfahrzeug in Bakonyoszlop ankamen, konnten die Besucher der Feier anhand eines Videofilms erleben. Burghartswieser dankte der Stadt Traunstein und der Gemeinde Surberg dafür, dass sie immer die Logistik für die Transporte nach Ungarn zur Verfügung stellen. Der Feuerwehr Bakonyoszlop sagte er zu, sie habe die Feuerwehren Traunstein und Surberg stets im Rückgrat, wenn sie etwas brauche.

József Hédl, Präsident der deutschen Minderheit der Stadt Zirc, wies auf den heuer 20 Jahre andauernden Kontakt mit der Traunsteiner Feuerwehr hin. Den ersten Kontakt habe er 1998 mit Kreisbrandrat Engelbert Deininger und dem Traunsteiner Feuerwehrkommandanten Albert Kutzer geknüpft. Das zweite Fahrzeug sei sehr wichtig, weil die Feuerwehr Bakonyoszlop auch für die Straße zwischen Györ und Balaton mit acht Kilometer Serpentinen verantwortlich sei. In den vergangenen Jahren habe sich dort der Verkehr verdoppelt. Die Feuerwehr sei 2017 zu 25 Verkehrsunfällen gerufen worden. Die nächste Berufsfeuerwehr sei in Veszprém stationiert und brauche 40 Minuten Anfahrtszeit. Bei eingeklemmten Personen sei es daher wichtig, dass die Feuerwehr Bakonyoszlop schnelle Hilfe leisten könne, um Menschenleben zu retten. Sie könne aber nur helfen, wenn sie über die richtige Technik verfüge. Das zweite Fahrzeug sei zudem wichtig, weil dadurch sechs bis acht Feuerwehrleute fest angestellt werden können, die von den umliegenden Gemeinde mitfinanziert würden.

Mit dem zur Verfügung gestellten Tanklöschfahrzeug sei daher ein Traum erfüllt worden. „Wir wollten deshalb unseren Dank nicht telefonisch oder schriftlich, sondern persönlich aussprechen“, betonte Hédl. Zusammen mit Bürgermeister Ferenc Wolf aus Bakonyoszlop und dem dortigen Feuerwehrkommandanten Tibor Czingiszer übergab er Geschenke an Kanalmesstechnik Stuhlberger (Surberg), Eva Mayr Stihl Stiftung (Waiblingen), Schaumaier Recycling (Traunstein), Stadtwerke Traunstein, Fuhrmann Nutzfahrzeuge Service (Bergen), Elektrotechnik Steinhauer (Inzell), Hövels Omnibusbetrieb (Trostberg), Funktechnik Enthofer (Traunstein), Spedition Eberl (Nußdorf), Stadtbrandinspektor Christian Schulz (Traunstein), Franz Reitschuh (Altenmarkt), Burghartswieser Reifenhandel (Surberg), Freiwillige Feuerwehr Neukirchen, Stefan Burghartswieser (Surberg), Freiwillige Feuerwehr Traunstein und Freiwillige Feuerwehr Surberg.


Traunsteins Zweiter Bürgermeister Hans Zillner erinnerte ebenfalls an die 20-jährige Verbindung nach Westungarn, die von Albert Kutzer viele Jahre organisiert worden sei. Für seine Verdienste sei Kutzer zum Ehrenbürger von Zirc ernannt und mit der Goldmedaille des Feuerwehrbezirks Veszprém ausgezeichnet worden. Kutzer habe sein Amt inzwischen an Franz Reitschuh übergeben. Er und sein Surberger Bürgermeisterkollege Josef Wimmer seien froh, dass die Sache unter den beiden Feuerwehren so gut weitergehe. Dies sei auch der Verdienst von Hédl. Zillner wies darauf hin, dass die Hilfe aus Traunstein und Surberg nicht nur der Feuerwehr, sondern zum Beispiel auch dem Krankenhaus, den Kindergärten und vielen Bürgern aus Zirc und Umgebung zugute gekommen sei. Er dankte allen Beteiligten, besonders aber den „Männern der ersten Stunde“ für die geleistete Arbeit und sprach die Hoffnung aus, dass die Verbindung so bleibe wie bisher.
© Günter Buthke jun.


zu Bild (oben): Zur Erinnerung erhielten die Gäste aus Ungarn ein Bild mit Fotos von der Übergabe des Feuerwehrfahrzeugs. Unser Foto zeigt von links den Präsident der deutschen Minderheit, József Hédl, Bürgermeister Ferenc Wolf aus Bakonyoszlop, den Surberger Kommandanten Stefan Burghartswieser, den Traunsteiner Organisator Franz Reitschuh, den Kommandant von Bakonyoszlop, Tibor Czingiszer und der Vorstand des Feuerwehrvereins Bakonyoszlop, Laszlo Adamik. (Fotos: Buthke)

 

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