Schneeunwetter führt zu Einsatzmarathon für die Feuerwehren

Lkr. Traunstein. Die heftigen und andauernden Schneefälle und deren Folgen haben am Wochenende (4.1. bis 6.1.19) zu einem Einsatzmarathon für die Feuerwehren geführt. Von Freitagabend bis Sonntagabend wurden die Wehren im Landkreis Traunstein zu mehreren Hundert Einsätzen gerufen. Eine genaue Zahl liegt noch nicht vor, doch es dürften mehr als 500 Einsatzstellen gewesen sein, berichtete Kreisbrandrat Christof Grundner. Die Integrierte Leitstelle Traunstein löste 165 Mal Alarm für die Feuerwehren aus. Die vielen Dutzend Folgeeinsätze sind dabei aber nicht mitgezählt. Eine ganze Reihe von Wehren hatten zwischen 25 und 40 Einsätze abzuarbeiten.

Bei den allermeisten Anforderungen waren Motorsägen das wichtigstes Arbeitsgerät, denn vielerorts waren Straßen durch umgestürzte Bäume oder abgerissene Äste blockiert, die dem nassen und schweren Schnee nicht standhielten. Auf vielen Strecken bleiben Lastwagen und Autos im hohen Schnee oder in Schneewehen stecken. Die Feuerwehr half festgefahrene Fahrzeuge aus dem Schnee zu schieben oder zu ziehen und Straßen wieder befahrbar zu machen. Eine Lawine, die am Samstagnachmittag auf der B 305 auf Höhe des Förchensees niedergegangen war, verschüttete einen Pkw. Die Fahrerin wurde in ihrem Fahrzeug von den Schneemassen eingeschlossen. Die Floriansjünger aus Ruhpolding schaufelten das Auto frei und zogen es aus dem Schnee. Die Frau kam unverletzt, mit dem Schrecken davon. Die Bundesstraße blieb zwischen Ruhpolding und Reit im Winkl anschließend wegen Lawinengefahr für den Verkehr gesperrt. 

Schneelast lässt Bäume knicken – Lastwagen stehen quer und hängen fest

Begonnen hatten die Einsätze aufgrund des Schneeunwetters bereits am Freitagnachmittag gegen 17.30, als auf der B 20 im Gemeindegebiet Fridolfing an der Steigung bei Kolomann mehrere Lkw hängenblieben und es kein Durchkommen mehr gab. Die Feuerwehr sicherte die Straße ab und half die Lastwagen wieder flott zu bekommen. Nach rund zwei Stunden hatte der Winterdienst ganz Arbeit geleistet und die Straße war wieder frei befahrbar.

Am Samstagmorgen kam ein Schneeräumfahrzeug auf der B 306 zwischen Hammer und Inzell von der Fahrbahn, blieb im Bankett hängen und drohte umzustürzen. Die Feuerwehren Hammer, Siegsdorf und Inzell sperrten die Bundesstraße während der Bergung des Schneepfluges. Wegen starker Schneeverwehungen war die Staatsstraße 2104 zwischen Otting und dem Kirchhallinger Berg zeitweise nicht befahrbar - Fahrzeuge steckten fest.  Die Feuerwehr Waging sperrte den Streckenabschnitt, während der Winterdienst mit einem Radlader anrückte. Durch einen Lastwagen blockiert war am Samstagabend die Bundesstraße 20 zwischen Fridolfing und Tittmoning. Die Zugmaschine rutschte von der Straße und blieb im Acker stecken, der Auflieger stellte sich quer und blockierte die Fahrbahn. Die Feuerwehr Pietling unterstützte die Polizei, sperrte die Straße und leitete den Verkehr während der Bergungsarbeiten um.

Ab dem späten Samstagnachmitttag gab es durch die Integrierte Leitstelle auf laufenden Band Alarmierungen der Feuerwehren unter dem Stichwort „Unwetter“. Hunderte Bäume wurden aufgrund der Schneelast entwurzelt oder stürzten um, Äste brachen ab und blockierten Straßen und Wege. Fast alle Feuerwehren im südlichen Landkreis waren im Einsatz, einige davon durchgehend von Samstagabend bis Sonntagabend, manche auch noch am Montag, wie zum Beispiel die Feuerwehr Siegsdorf. Teilweise blieben die Einheiten zwischen den einzelnen Einsätzen in den Gerätehäusern auf Bereitschaft. Immer wieder gingen neue Alarmmeldungen „Baum über Fahrbahn“ ein. Viele Straßen mussten gesperrt werden, denn für die Floriansjünger wäre es viel zu gefährlich gewesen, in den gefährdeten Bereichen zu arbeiten, Bäume zu zerschneiden und wegzuräumen. Auch die Bahnlinie zwischen Traunstein und Traunreut musste zeitweise gesperrt werden, weil Bäume auf die Gleise fielen.

In Trostberg in der Altöttinger Straße wurde am Samstagabend ein Baum entwurzelt und fiel über die Bundesstraße 299 auf das gegenüberliegende Wohnhaus. 25 Helfer der Feuerwehr Trostberg und Oberfeldkirchen zerlegten den Baum. Die Straße war nach 45 Minuten wieder befahrbar. Am Wohnhaus wurden nur einige Dachschindel beschädigt. An mehreren Orten fielen Bäume auf Stromleitungen, was zumindest kurzzeitig zu Stromausfällen führte. Am Sonntagnachmittag fiel bei Traunstein-Kotzing ein Baum auf eine Stromleitung. Dadurch kam es zu Spannungsschlüssen zwischen Oberleitung und Boden. In der Nähe des Umspannwerks kam am Fuß zweier Strommasten zu einer starken Rauchentwicklung, an einem Strommast gerieten Sträucher im Umfeld in Brand. Die Feuerwehren Wolkersdorf und Traunstein eilten zum Brandort, konnten dem Geschehen aber nur zusehen, denn es dauerte beträchtliche Zeit bis der Strom aus beiden Richtungen abgetrennt war.  

Am Sonntag kurz nach 13 Uhr musste die Autobahn A 8 in Fahrrichtung München zwischen Schweinbach und Bergen wegen mehrerer umgestürzter Bäume gesperrt werden. Aufgrund des Rückreiseverkehrs zum Ferienende bildete sich ein langer Rückstau fast bis zur Landesgrenze. Der Sondernotfallplan der Autobahn A 8 zur Vermeidung langanhaltender Staus trat in Kraft und die Koordinierungsgruppe mit Vertretern des Landratsamtes Traunstein, der Integrierten Leitstelle, der Verkehrspolizeiinspektion Traunstein, der Feuerwehren und Rettungsdienste sowie der Autobahnmeisterei kam zusammen. Währenddessen arbeitete die Feuerwehr Siegsdorf zusammen mit dem Technischen Hilfswerk (THW) und der Autobahnmeisterei fieberhaft daran, die Bäume zu zerschneiden und die Fahrspur in Richtung München wieder befahrbar zu machen. Aus Sicherheitsgründen wurde einige Bäume auch vorsorglich gefällt. Aufgrund kurzzeitiger Sperrungen und aufgrund des starken Verkehrsaufkommens in Richtung München kam es gegen 17 Uhr auf zirka 20 Kilometern zu Stauungen und zähfließendem Verkehr, zwischen der Grenze beim Walserberg und Bergen. Gegen 18.00 Uhr konnte die Sperre eines Fahrstreifens wieder aufgehoben werden und bis gegen 20.30 Uhr hatten sich die Stauungen in Richtung München weitgehend aufgelöst. Nachdem der am Sonntagabend einsetzende Lkw-Verkehr den bergigen Streckenabschnitt problemlos passierte wurde die Arbeit der Koordinierungsgruppe gegen 22.30 Uhr beendet. Die insgesamt 85 Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW, BRK, Malteser Hilfsdienst, Bergwacht, Polizei, der Integrierten Leitstelle (ILS) sowie den Landratsämtern Traunstein und Berchtesgadener Land wurden aus dem Einsatz entlassen.

Baum fällt auf Zug und in Oberleitung – Bundesstraße blockiert

Am Sonntagabend kam es jedoch zu einem spektakulären Bahnunfall bei Eisenärzt, auf der Strecke zwischen Traunstein und Ruhpolding. In der Nähe des Bahnhofs bei Eisenärzt, als der Zug gerade über die Staatsstraße 2098 fuhr, fiel ein Baum aus dem steilen Hang auf die Oberleitung und auf den Zug. Neun Fahrgäste wurden aus dem Zug evakuiert. Dies konnte jedoch erst geschehen, nachdem die Feuerwehr die Oberleitung geerdet hatte. Mit einem Ersatzbus wurden die Fahrgäste, die alle unverletzt geblieben waren, weitertransportiert. Die Straße war für mehrere Stunden durch den havarierten Zug blockiert. Die Feuerwehren Eisenärzt, Siegsdorf und Ruhpolding sicherten die Unfallstelle ab und leiteten den Verkehr um. Ein Autokran sicherte den Baum und Floriansjünger, die vom Korb der Ruhpoldinger Drehleiter heraus arbeiteten, zerschnitten den Baum. Mit einer Diesellok wurde die Zuggarnitur nach Traunstein geschleppt. 

In Traunstein waren das Technische Hilfswerk und Feuerwehr Traunstein gefordert. Die Schneemassen vom Dach der Klosterkirche an der Ludwigstraße (derzeit Baustelle wegen Renovierungsarbeiten) hatten das Gerüst beschädigt. Es drohte umzustürzen. Die Ludwigstraße und der Klosterberg wurden deshalb für den Verkehr gesperrt. Die Feuerwehr Traunstein unterstützte den Einsatz des THW mit der Drehleiter und sorgte für die Verkehrsregelung. Gegen Mitternacht konnten die Traunsteiner Floriansjünger wieder einrücken.

Am Sonntagabend und in der Nacht zum Montag gab es weiterhin zahlreiche Einsätze für die Feuerwehren, nachdem der enorme Schneedruck weiterhin Bäume entwurzelte oder Äste abgebrochen wurden. Die Aktiven der Wehren sorgten für freie Straßen, um vor allem die Straßen und Wege befahrbar zu machen, damit im Ernstfall freie Fahrt für Rettungsdienst und Notarzt gewährleistet ist. 

Hochspannungsleitung gerissen und auf Bundesstraße gefallen - Stromausfall

Einen weiteren Schreckmoment gab es für die Einsatzkräfte, als am Montag geben 13 Uhr ein weitere Alarm für die Feuerwehren Siegsdorf und Eisenärzt einging. Zwischen Siegsdorf und Molberting waren zwei Stränge einer 110 kV-Leitung abgerissen und auf die Bundesstraße 306 gefallen. Im Großraum Siegsdorf und Ruhpoding fiel der Strom aus. Nach rund einer Stunde war die Notversorgung hergestellt. Nachdem mehrere PKW über die stromführenden Leitungen gefahren waren, entschied die Einsatzleitung eine Vollsperrung der Bundesstraße. Zusätzlich wurden die Ortsverbände Traunstein und Traunreut des Technischen Hilfswerks (THW) zur Einsatzstelle beordert. Geplant war der Bau eines Kabelgerüsts, um den Verkehr darunter hindurch fahren zu lassen. Letztendlich entschieden sich die Techniker aber, die Leitungen instand zu setzen. Der Einsatz zog sich bis in die Abendstunden hin. Während des abendlichen Einsatzes leuchteten das THW und die Feuerwehr die Unfallstelle aus. Erst am Montagabend gingen die Alarmierungen der Feuerwehren deutlich zurück und nach teilweise drei ununterbrochenen Einsatztagen konnten die Ehrenamtlichen wieder ausruhen und die Nacht auf Dienstag wieder störungsfrei durchschlafen. pv.   


Text: Peter Volk / Pressemitteilung Verkehrspolizei Traunstein / Präsidium Oberbayern Süd

Bilder: Freiwillige Feuerwehr Kammer / Freiwillige Feuerwehr Eisenärzt.
siehe auch Links: Traunsteiner Tagblatt / FDL-news.

 

Link: https://www.traunsteiner-tagblatt.de/fotos/einsaetze_galerie,-lawine-verschuettet-pkw-bei-ruhpolding-05012019-_mediagalid,5591.html

 

Link: https://www.traunsteiner-tagblatt.de/fotos/einsaetze_galerie,-wolkersdorf-zwei-strommasten-bei-umspannwerk-fangen-feuer-_mediagalid,5597.html

 

Link: https://www.traunsteiner-tagblatt.de/fotos/einsaetze_galerie,-gerueste-an-klosterkirche-stuerzen-ein-_mediagalid,5602.html

 

Link: https://www.traunsteiner-tagblatt.de/fotos/einsaetze_galerie,-siegsdorf-und-ruhpolding-ohne-strom-_mediagalid,5607.html

 

 

 

 

 

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