Verabschiedung aus der Kreisbrandinspektion

Palling. Zusammen haben sie 190 Jahre aktiven, ehrenamtlichen Feuerwehrdienst geleistet, davon 87 Jahre als Führungskräfte und Mitglieder der Kreisbrandinspektion. Bei einer großen Feier der Feuerwehr-Familie wurden Kreisbrandrat Hans Gnadl, Kreisbrandinspektor Manfred Unterstein und die Kreisbrandmeister Heinz Handrick und Alfred Waschin aus der Kreisbrandinspektion verabschiedet. Als besondere Ehrung wurde Hans Gnadl, der 17 Jahre oberster Feuerwehr-Chef im Landkreis Traunstein war, von Landrat Siegfried Walch und dem neuen Kreisbrandrat Christof Grundner zum Ehrenkreisbrandrat befördert. Manfred Unterstein, 22 Jahre Führungskraft auf Kreisebene, wurde zum Ehrenkreisbrandinspektor ernannt und Alfred Waschin und Heinz Handrick, die 27 bzw. 15 Jahre in der Kreisbrandinspektion tätig waren, wurden als Dank für ihre Verdienste mit dem Titel des Ehrenkreisbrandmeisters gewürdigt. 

 

Die Verabschiedungsfeier begann mit einem Empfang am Feuerwehr-Gerätehaus in Palling, den Klängen des Fanfarenzugs der Feuerwehr Trostberg und dem Aufmarsch der Fahnenabordnungen fast aller 81 Feuerwehren im Landkreis Traunstein. Danach fuhren rund 50 Feuerwehr-Einsatzfahrzeuge zu Ehren der vier „Austragler“ auf, deren Beschaffung Gnadl und seine drei Inspektionskollegen mit empfohlen und unterstützt hatten. Nach einem Festzug zum Gasthaus Michlwirt begrüßte Kreisbrandrat Christof Grundner die vielen Ehrengäste, Bürgermeister oder deren Stellvertreter, Vertreter der Hilfsorganisationen, des Landes- und Bezirksfeuerwehrverbandes, die Abordnungen der Feuerwehren aus dem Landkreis Traunstein, aus den Nachbarlandkreisen sowie aus Oberösterreich und Tirol. Franz Ostermaier, 2. Bürgermeister der Gemeinde Palling, freute sich, dass die gute alte Tradition nicht abreißt und die Verdienste langjährig tätiger Feuerwehr-Führungskräfte mit einer Feier gewürdigt werden und diese Festveranstaltung in Palling stattfindet.

 

Mit einer Laudatio wurde der „Feuerwehr-Lebenslauf“ der vier ausscheidenden Inspektionsmitglieder dargestellt und deren Wirken gewürdigt. Thomas Mayr, Nachfolger von Alfred Waschin als Kreisbrandmeister im Bereich Land 2/2, würdigte seinen Nachfolger als einen engagierten, auch in Stresssituationen nie grantigen Kameraden. „Einen wie Waschin könne sich jede Hilfsorganisation nur wünschen“. Heinz Handrick, bis Ende 2016 Kreisbrandmeister im Inspektionsbereich Land 5/1, wurde von seinem Nachfolger Stefan Reichelt als „sehr kompetenter und immer mit Rat und Tat zur Seite stehender Feuerwehrler“ gelobt. Martin Schupfner, neuer Kreisbrandinspektor für die Feuerwehren in der Landkreismitte (Land 5) blickte in seiner Laudatio auf den ehrenamtlichen Feuerwehrdienst von Manfred Unterstein zurück. Mit 14 Jahren ist Unterstein in die Jugendfeuerwehr Traunreut eingetreten, 1995 wurde er zum Kreisbrandmeister und sieben Jahre später zu Kreisbrandinspektor ernannt. 7863 Tage war er in der Kreisbrandinspektion tätig. Er leitete viele schwierige Einsätze, wie den Felssturz in Stein an der Traun (Januar 2010) oder die Großeinsätze bei den Hochwasserkatastrophen (2002 und 2013). Auch war er einer der Kontingentführer als 2002 mehr als 350 Feuerwehrler aus dem Landkreis Traunstein zur Hochwasserhilfe an die Elbe nach Dessau/Sachsen ausrückten.  


Vielfach gewürdigt wurde Kreisbrandrat a.D. Hans Gnadl. Nachfolger Grundner blickte auf die 17 Jahre als Kreisfeuerwehrchef zurück. Am 1.1.2000 übernahm Gnadl das Amt von Vorgänger Englbert Deininger. Meilensteine in Gnadls Verantwortung waren die komplette Neuausrichtung des Kreisfeuerwehrverbandes, die Einführung der Integrierten Leitstelle und die Einführung des Digitalfunks mit Schaffung der Technisch-Taktischen Betriebsstelle (TTB). „Gnadl war ein verlässlicher und diplomatischer Kreisbrandrat, ein scharfer Entscheider, eine zuverlässige Führungskraft, ein Zuhörer, ein Mensch, ein Floriansjünger, der bereit war Tag und Nacht für die Feuerwehren und ihre Belange einzutreten.“  Landrat Siegfried Walch hob hervor, dass Gnadl stets das Bild der Feuerwehren im Landkreis Traunstein verkörpert und gelebt habe, eine Führungskraft mit straffer Organisation, bereit Dinge durchzuziehen, von denen Gnadl überzeugt war, ein Kreisbrandrat, der das Feuerwehrwesen im Landkreis geprägt habe. Gnadl sei ein Feuerwehrchef gewesen, der das Ohr an der Mannschaft hatte, ihr wenn nötig den Rücken gestärkt, sich vor seine Wehren stellte und nicht die Schuld bei anderen gesucht habe, wenn etwas schief ging – eine Charakterstärke, die ein „besonderes Kreuz verlangt“. Walch würdigte vor allem Gnadls Einsatz und Initiativen für die Jugendarbeit, die immer darauf ausgerichtet war, die Zukunft und das System des Feuerwehr-Ehrenamts zu sichern. Gnadls Geist und Wirken werde weiterleben und mit Stolz und zufrieden dürfe man auf die Area Gnadl zurückblicken.

 

Alfons Weinzierl, Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes (LFV) Bayern, überreichte Gnadl eine Ehrenauszeichnung, die man nicht beantragen könne – die Ehrenmedaille des Vorsitzenden des LFV Bayern. „Mit Gnadl, der die Kommandobrücke verlässt, geht eine Epoche zu Ende, ein bedeutsamer Abschnitt nicht nur für die Feuerwehren im Landkreis Traunstein, sondern in Bayern.“ Weinzierl sagte, besonders schätze er an Gnadl, dass er seine Person nie in den Vordergrund gestellt habe. Es sei ihm immer um die Sache gegangen. Johannes Eitzenberger, Vorsitzender des Bezirksfeuerwehrverbandes Oberbayern, hob Attribute heraus, die Gnadl als Kreisbrandrat auszeichneten: bedingungslose Einsatzbereitschaft, Fleiß, Engagement, Geradlinigkeit, Zielstrebigkeit und als allerwichtigstes Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit – „einfach einer, der grad heraus ist.“ Ebenso würdigten Klaus Ritter, 1. Bürgermeister der Stadt Traunreut, Josef Kaltner, Kreisbrandrat aus dem Berchtesgadener Land, Alois Wengler vom Bezirksfeuerwehrkommando Braunau und Karl Meusburger, Oberbrandrat aus Kitzbühel Gnadls Wirken und die ausgezeichnete Zusammenarbeit. Franz König und Gerhard König von den Ortsverbänden Traunstein und Traunreut des Technischen Hilfswerks (THW) bedankten sich bei Gnadl mit der Ehrenmedaille des Technischen Hilfswerks.

Gnadl selbst bedankte sich für die vielen ehrenden Worte und Auszeichnungen für seine Person und seine drei, mit ihm aus dem Amt ausscheidenden Kameraden. Die Verabschiedung sei kein Tag Vergangenes aufzuwärmen, sondern in die Zukunft zu schauen, denn man wisse nie was im nächsten Moment geschieht und die Feuerwehren fordert. „Das Erreichte war das Werk aller Beteiligten, es wurde miteinander geschaffen und sei der Verdienst der großen Familie Feuerwehr, zusammen mit den anderen Organisationen der Blaulicht-Gemeinschaft. Bei aller Technik und Organisation  sei Menschlichkeit das Wichtigste am Feuerwehrdienst. „Nur die Menschlichkeit macht uns stark.“ Bei seinem Dank an alle Weggefährten und Kameraden hob Gnadl besonders seine Frau Anni und seine Kinder Sabine, Katharina und Hansi hervor, die auf vieles verzichten mussten, ihn dennoch stets unterstützt und ihm den Rücken gestärkt haben. Mit einer lustigen Einlage von Feuerwehrprüfer „Williwitsch Mülleritsch“, alias Willi Müller, ehemaliger Kommandant der Feuerwehr Nußdorf, ging die Verabschiedungsfeier zu Ende.

Text und Bilder: Peter Volk

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