24-Stunden-Übung der Jugendfeuerwehr Holzhausen
Holzhausen. Ein ganzer Tag Feuerwehrmann bzw. Feuerwehrfrau - 24 Stunden Dienst am Stück. Was für den Angestellten einer Berufsfeuerwehr selbstverständlich ist, durften die Mitglieder der Jugendgruppe der Freiwilligen Feuerwehr Holzhausen nun am eigenen Leib spüren. Wie schon andere Feuerwehren zuvor organisierte nun auch die kleine Wehr aus Holzhausen einen Berufsfeuerwehrtag.
Zum Dienstantritt um sieben Uhr morgens waren alle Jugendlichen und einige Gruppenführer der aktiven Truppe pünktlich am Feuerwehrhaus in Holzhausen erschienen - trotz der morgendlichen Zeit und trotz des einladenden Bergwetters.
Zusammen mit der Führung der Holzhausener Wehr hatte sich Jugendwart Michael Schuster für eine sogenannte „Morgen-Morgen-Schicht“ entschieden, da dies seiner Meinung nach mehrere Vorteile bietet: Der frühe Beginn lehnt sich an den Rhythmus des Alltags an, man startet nicht nach einem schon anstrengenden Tag und schließlich bietet das abschließende Frühstück eine gute Möglichkeit, das Erlebte Revue passieren zu lassen.
So begann der Augustsamstag mit einer Besprechung und Einführung in den geplanten Ablauf. Kommandant Thomas Zettl unterwies den Nachwuchs im Alarmierungswesen durch die Integrierte Leitstelle und machte auf die Details eines Alarmfaxes aufmerksam. Dass diese Kenntnis schon bald vonnöten sein sollte, zeigte sich um ca. acht Uhr, als jemand an der alten Handkurbelsirene drehte und ein infernalisches Jaulen durch das Gerätehaus schwoll. Gemäß des eingehenden Alarmfaxes lautete die Meldung auf „Person in Keller gestürzt, nicht ansprechbar, Priorität hoch“. Und schon war die Mannschaft auf Anfahrt. Nicht alle konnten im neuen Löschgruppenfahrzeug Platz nehmen, deswegen rückte auch der Gerätewagen mit aus.
Jahrelange Ausbildung und Erfahrung der älteren Teilnehmer war nun gepaart mit dem Tatendrang der Jungendlichen. Mehrere der Jugendlichen dürfen schon bald ihren Jugendschutzanzug mit der Schutzkleidung der Aktiven tauschen, während andere erst seit wenigen Monaten bei der Jugendfeuerwehr sind und dazu noch ein wenig Geduld haben müssen. Trotzdem war schon der erste Übungseinsatz von Erfolg gekrönt, als die verunglückte Person mit Leinen und einer Trage aus dem Keller gerettet und dem Rettungsdienst übergeben wurde.
Zurück im Gerätehaus stand nach der Praxis wieder die Theorie auf dem Plan. Ein Feuerwehrler aus Holzhausen, der bei der Bundeswehr in einer Feuerwehreinheit Dienst tut, leitete die Ausbildung mit Laptop und Beamer. Abwechslung bot der erneute Sirenenton, diesmal mit einem klassischen Feuerwehreinsatz. Alarmiert wurde die Wehr zu einem Fahrzeugbrand bei Zeiering. Hier zeigte sich – wie bei allen weiteren „Einsätzen“ des eigentlich für die Jugendgruppe gedachten Tages: Die teilnehmenden Gruppenführer lernten während der aufeinanderfolgenden Übungen die neue Ausrüstung des erst vor kurzem in Dienst gestellten neuen Löschgruppenfahrzeugs intensiv kennen.
Nach einer weiteren Theorieeinheit wurde die Gruppe zur Beseitigung einer Ölspur gerufen. Dass auch ein so unspektakulärer Einsatz interessant sein kann, wurde den Jugendlichen bewusst, denn neben dem allfälligen Ölbindemittel mussten auch Gewässersperren und dergleichen ausgelegt werden.
Nach der „Ölspur-Beseitigung war Zeit für eine Verschnaufpause und für das Mittagessen. Die dafür veranschlagte Stunde wurde jedoch jäh durch einen Alarm beendet. Die Mannschaft rückte nach Kaltenbrunn aus, um einen Flächenbrand zu löschen. Von einfachen Feuerpatschen bis zu hochmodernen Hohlstrahlrohren reichte die Spanne der eingesetzten Geräte. Nachdem die Fahrzeuge wieder bestückt worden waren – immerhin wurden etwa 200 m Schlauchleitung verlegt – drehte schon wieder jemand an der Sirenenkurbel. Fast nahtlos glitten die Einsätze ineinander über. Und bei den Jugendlichen zeigte sich zunehmende Routine, denn die Gruppenführer hatten weit weniger zu kommandieren als noch am Morgen.
In Leiten galt es einen umgestürzten Baum von der Straße zu räumen. Anschließend fand im Gerätehaus eine Einweisung in die Rettung von eingeklemmten Personen statt. Diese führte Werner Schöberl von der BRK-Bereitschaft Siegsdorf mit merklich viel Erfahrung klar und verständlich durch. Die Einweisung war zudem ein kaum zu übersehender Wink auf die noch bevorstehenden Aufgaben.
Der nächste Einsatz folgte: Ein überfluteter Keller musste ausgepumpt werden. Dabei wurde auf die Gefahren bei Hochwassereinsätzen eingegangen.
Schließlich kündigte die Sirene gegen 16.30 Uhr den Höhepunkt des Übungstages an. Der Funkdurchsage war zu entnehmen, dass in der Ortsmitte von Holzhausen ein Traktor mit einem PKW kollidiert war und der Insasse des Autos eingeklemmt sei. Zur Unterstützung wurde noch die Jugendgruppe der Nachbarfeuerwehr Vachendorf angefordert. Als Zuckerl wurde sogar die Erlaubnis ausgesprochen, mit Sondersignal zu fahren. Zum Zeitpunkt des Eintreffens waren zwei Sanitäter der SEG Siegsdorf bereits mit der Patientenversorgung beschäftigt. Zusammen mit den Kollegen aus Vachendorf wurde das Fahrzeugwrack mit hydraulischem Gerät geöffnet. Das Zuschauerinteresse der Gäste des benachbarten Gasthofes war beträchtlich – konnte man doch erst aus der Nähe erkennen, dass es sich um keinen Ernstfall, sondern um eine Übung handelte. Als der Patient vom Rettungsdienst abtransportiert war, wurde das verbliebene Wrack des Schrottautos zu Übungszwecken genutzt. So konnten Spreize und Schneidgerät von einem zum anderen weitergegeben und damit geübt werden. Währenddessen waren die Grillmeister bereits bei der Arbeit. Zum Abendessen wurden auch alle auswärtigen Helfer eingeladen, die nach dem gemütlichen Teil zum Feierabend nach Hause fahren durften.
In Holzhausen war an Feierabend jedoch noch lange nicht zu denken. Nach dem ausgiebigen Mahl am Abend mussten die Fahrzeuge erst einmal optisch wieder auf Vordermann gebracht werden. Abspritzen, wienern, putzen und saugen – Fahrzeug- und Gerätepflege nach höchsten Maßstäben.
Als gegen 20 Uhr nach einem herrlichen Sommertag ein Gewitterregen einsetzte, wurde die Mannschaft zu einer Vermisstensuche alarmiert. Dieses Einsatzbild wurde gewählt, um den Jugendlichen die Vorzüge der Wärmebildkamera bei der Personensuche näher zu bringen. Mit Hilfe der Kamera konnte der Vermisste in einem Stadel gefunden werden.
Die Anstrengungen und Anforderungen des Tages merkte man allen Beteiligten mit zunehmender Dauer des Berufsfeuerwehrtages an – den Erwachsenen jedoch mehr als den Jugendlichen. Dennoch wurde ab 22 eine Ruhebereitschaft eingeplant, die auch zum Schlafen benutzt werden konnte. Doch kaum jemand legte sich aufs Ohr. Das Beisammensein wurde vielmehr zum Kartenspiel oder im Jugendraum für eine Billard- oder Dartrunde genutzt. Kurz vor Mitternacht störte ein weiterer Alarm die Kameradschaftsrunde. Doch viel schneller als erwartet, war die Gruppe wieder zurück am Gerätehaus. Bei Ankunft an der Einsatzstelle stellte sich die Alarmmeldung als Fehlalarm heraus. Doch das ist Alltag und gehört „zum richtigen Leben“ eines Berufsfeuerwehrmannes.
Nach Mitternacht kehrte Ruhe im Gerätehaus ein. Erst als dann wirklich (fast) alle schliefen heulte die Sirene für den letzten Übungseinsatz. Mit erstaunlicher Schnelligkeit eilten die Jugendlichen aus den Betten, hinein in die Schutzanzüge und sprangen in die Einsatzfahrzeuge. In der Finsternis der frühen Morgenstunden musste ein Notarzteinsatz ausgeleuchtet werden. Neben den klassischen Scheinwerfern auf einem Dreibeinstativ wurde der Lichtmast des neuen Einsatzfahrzeuges vorgeführt und die neue Multifunktionsleiter als Stativ benutzt. Die beiden beteiligten Aktiven staunten nicht schlecht über die umfassende und helle Ausleuchtung, die durch die neu beschafften Geräte hergestellt werden konnte.
Am Sonntagmorgen gegen halb sieben waren es dann zwei Jugendliche selbst, die den Weckruf übernahmen. Sie postierten die Sirene unmittelbar vor dem Schlafraum und verkündeten das Ende des lehrreichen Übungstages. Nach einem Frühstück zeigten sich alle Beteiligten müde, aber zufrieden. Kommandant Zettl und Jugendwart Schuster waren voll des Lobes für die aktive Teilnahme und die Jugendlichen würdigten die Feuerwehrführung für die Organisation und die spannenden Übungen. Nicht zuletzt galt der Dank allen, die zum Gelingen des Berufsjugendfeuerwehrtages beitrugen, insbesondere den Gruppenführern, die die Übungen mit Begeisterung organisierten und begleiteten.
Bericht und Bilder: Feuerwehr Holzhausen








