05.12.2025
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Das Ehrenamt - Rückgrat unserer Sicherheit

 

Lkr. Traunstein. Wenn am heutigen Freitag, 5. Dezember der „Internationale Tag des Ehrenamts“ begangen wird, ist dies meist Anlass für warme Dankesworte und Händeschütteln. Doch im Bevölkerungsschutz geht es um weit mehr als nette Gesten. Es geht um ein Sicherheitssystem, das weltweit seinesgleichen sucht und zu rund 98 Prozent auf den Schultern von Freiwilligen ruht. Ein Blick auf die Lage im Jahr 2025 zeigt: Die Herausforderungen sind komplexer geworden, doch die „Blaulichtfamilie“ im Chiemgau hält stand und ist für die Zukunft gut aufgestellt.


Profis ohne Bezahlung
In den 80 Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Traunstein leisten 4720 Frauen und Männer aktiven Feuerwehrdienst. Zudem zählen die Jugendfeuerwehren zwischen Schnaitsee und Reit im Winkl, zwischen Landesgrenze und Chiemsee rund 1040 Buben und Mädchen. Bayernweit sind es über 326.000 Aktive bei 7400 Freiwilligen Feuerwehren. Sie sind nicht nur Hobbyisten, sondern hochausgebildete Fachkräfte, die in ihrer Freizeit trainieren, um im Ernstfall binnen Minuten professionelle Hilfe zu leisten.


Der Landkreis Traunstein nimmt geographisch und strukturell eine Sonderstellung ein, die den Einsatzkräften alles abverlangt. Vom Chiemsee, dem „Bayerischen Meer“, über die verkehrsreiche A8, die Lebensader und zugleich Unfallschwerpunkt ist, bis hin zu den alpinen Regionen im Süden des Landkreises - der Landkreis Traunstein bildet ein Einsatzspektrum ab, das so vielfältig wie die Landschaft der Voralpenlandes ist.


„Wenn Bürger den Notruf 112 wählen, erwarten sie professionelle Hilfe – und bekommen sie,“ so Kreisbrandrat Christof Grundner. Dass die Person in Schutzkleidung und mit Helm, die den Schwerverletzten aus einem Fahrzeugwrack schneidet oder Bewohner aus einem brennenden Haus rettet, kaum zehn Minuten vorher noch am Schreibtisch saß oder in der Werkstatt stand, sei den meisten gar nicht bewusst, macht der Kreisfeuerwehrchef hin. Das System der ehrenamtlichen Hilfe auf hohem Niveau spare den Kommunen nicht nur Millionen an Personalkosten. Es garantiere flächendeckende Sicherheit in jedem Winkel des Landkreises, so Grundner.


2025 - witterungsbedingte Einsätze und technischen Herausforderungen
Das Jahr 2025 hat den Floriansjüngern im Landkreis bereits viel abverlangt. Die Zunahme von Unwetterlagen, seien es lokale Überflutungen oder Wald- und Flächenbrände, hat die Herausforderungen im Einsatzaufkommen spürbar verdichtet. Dabei zeige sich die Stärke des Ehrenamts: „Die Feuerwehren sind nicht nur Brandbekämpfer. Sie sind Umwelt-Spezialisten, Logistiker und technische Allrounder.“ Die Investitionen der Gemeinden und des Landkreises in moderne Ausrüstung zahlen sich aus, um die knapp 100 Feuerwehr-Einsätze pro Woche zu bewältigen. Die Technik aber ist wertlos, ohne die Menschen, die sie bedienen. Und das Engagement im Ehrenamt geht mit Übungs- und Fortbildungsstunden weit über die reinen Einsatzzeiten hinaus.


Schulterschluss der Blaulichtfamilie
Der Tag des Ehrenamts ist kein Tag, der allein der Feuerwehr gehört. Im Landkreis Traunstein greifen die Zahnräder der Rettungs- und Hilfsorganisationen so präzise ineinander, wie kaum anderswo. Ein schwerer Verkehrsunfall auf der Bundesstraße oder ein Bergunfall in den Chiemgauer Alpen wäre ohne das Zusammenspiel aller Akteure nicht zu bewältigen.


Die ehrenamtlichen des Bayerischen Roten Kreuzes und des Malteser Hilfsdienstes stellen die medizinische Erstversorgung oder Betreuungsdienste, wie die Krisenintervention im Rettungsdienst (KIT), oft unter widrigsten Bedingungen. Die Bergwacht ist in einem Landkreis mit ausgeprägtem Bergtourismus unverzichtbar und wertvoller Partner auf Augenhöhe. Ihre Spezialisierung auf die alpine Rettung ergänzt die bodengebundenen Kräfte perfekt. Dazu die Wasserwacht und DLRG, die für den Chiemsee, Waginger See und die zahlreichen Flüsse, wie Traun und Alz die Kernkompetenz für Wasserrettung bilden. Die ehrenamtlichen Wasserretter sichern nicht nur den Badebetrieb und sind bei Hochwasserlagen essenzieller Bestandteil des Katastrophenschutzes. Und das Technische Hilfswerk (THW), die „blauen Engel“ als die Spezialisten für schwere technische Hilfeleistung, Infrastruktur und Logistik sind rund um die Uhr bereit, wenn es zum Beispiel um das Ausleuchten riesiger Einsatzstellen, Brückenbau oder Füllen großer Sandsackmengen geht. Ohne das THW wären viele Einsatzlagen nicht stemmbar. Das Verständnis füreinander und Miteinander, oft über Jahre in gemeinsamen Übungen geschmiedet, ist die Basis für den Bevölkerungsschutz in der Region und Sicherheit der Bürger.


Die soziale Dimension: Mehr als nur Retten
Neben der technischen und praktischen Komponente des Ehrenamts in der Blaulichtfamilie steht am heutigen Tag die gesellschaftliche Relevanz im Vordergrund. In vielen Orten des Landkreises sind Feuerwehren und Hilfsorganisationen der Treffpunkt der Ortsgemeinschaft. Die Jugendarbeit spielt dabei eine Schlüsselrolle. Den Jugendfeuerwehren kommt eine wichtige Rolle zu. Die Mitgliederzahlen steigen und Kinderfeuerwehren, die die Jüngsten spielerisch an die Themen Feuerwehr und Brandschutz heranführen, sind die Früchte kontinuierlicher Nachwuchsarbeit. Junge Menschen lernen Werte, die in der modernen Gesellschaft oft zu kurz kommen: Kameradschaft, Verlässlichkeit und Zivilcourage.


Vereinbarkeit von Ehrenamt und Arbeitgeber
Keineswegs selbstverständlich ist die gegenseitige Akzeptanz von Ehrenamt und Beruf. Die Tagesalarmsicherheit, also die Verfügbarkeit von Einsatzkräften zwischen 6 und 18 Uhr, während der normalen Arbeitszeit, ist die Achillesferse des Systems. „Wir sind sehr dankbar für jeden Arbeitgeber, der seine Mitarbeiter für den Einsatz freistellt, wenn Piepser pfeifen und Sirenen heulen“, so die Aussage, die man voll Dankbarkeit von Führungskräften der Feuerwehren hört. Es sei ein Geben und Nehmen: Die Arbeitgeber verzichten kurzfristig auf Arbeitskraft, gewinnen dafür aber Mitarbeiter, die Krisenmanagement beherrschen, teamfähig sind und unter Stress besonnene Entscheidungen treffen. 


Ein Appell an die Zukunft
„Der Internationale Tag des Ehrenamtes ist mehr als nur ein Gedenktag für das Ehrenamt. Der ehrenamtliche Einsatz, den Tausende in den Blaulichtdiensten leisten, ist unendlich wertvoll für die Gesellschaft und das soziale Miteinander, jeden Tag, jede Nacht, 365 Tage im Jahr“, betont Kreisbrandrat Grundner. Und er ergänzt: „Wer Teil dieser Gemeinschaft werden möchte, ist in allen Hilfsdiensten und Rettungsorganisationen willkommen. Technik kann man kaufen, Engagement nicht. Das Ehrenamt im Landkreis Traunstein ist und bleibt im wahrsten Sinne des Wortes unbezahlbar.“  


Text: Stefan Lohwieser / Peter Volk – Pressesprecher Kreisfeuerwehrverband Traunstein e.V.