Feuerwehren der Stadt Traunstein übten für den Ernstfall

Traunstein. „Brand im ehemaligen Telekomgebäude in der Nussbaumer Straße, mehrere Personen vermisst“, so lautete die Alarmdurchsage für die Großübung der Feuerwehren Wolkersdorf, Haslach, Hochberg, Traunstein und Kammer. Etwa 150 Einsatzkräfte eilten darauf hin zum angenommenen Brandort.

Zunächst stellte sich die Lage für Ernst Harrecker jun., den Einsatzleiter der Feuerwehr Wolkersdorf sehr unübersichtlich dar. Der vierstöckige und äußerst weitläufige Gebäudetrakt mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Nutzern machte eine erste Einschätzung des Ausmaßes der Schadenslage schwierig. Innerhalb weniger Minuten wurden deshalb Einsatzabschnitte gebildet, so dass die vorgefundene Einsatzlage koordiniert abgearbeitet werden konnte. Dem südlichen Bereich waren die Feuerwehren aus Wolkersdorf, Haslach und Hochberg zugeordnet. Sie starteten einen ersten Innenangriff unter Atemschutz zur Menschenrettung und Brandbekämpfung. Im nördlichen Bereich rückten die Einsatzkräfte aus Kammer und Traunstein bis in den vierten Stock des Gebäudes vor. Zur Menschenrettung aus den oberen Etagen sowie zur Brandbekämpfung von außen wurde eine Drehleiter in Stellung gebracht. Auch musste eine lange Schlauchleitung für ausreichend Löschwasser aufgebaut und die Einsatzstelle ausgeleuchtet werden. Die Dokumentation des äußerst umfangreichen Einsatzes von Atemschutzgeräteträgern bildete einen weiteren Schwerpunkt der Übung. Etwa 40 Feuerwehrler mit Atemschutzgeräte konnten die Feuerwehren zum Einsatz bringen, um das Feuer schnell löschen, eine Ausbreitung der Flammen zu verhindern und die angrenzenden Geschosse auf mögliche Verletze zu durchsuchen. Nach gut einer Stunde waren die 25 Personen aus dem Gebäude gerettet und zur Verletztensammelstelle gebracht. Nachdem das Gebäude rauchfrei war, konnte der Einsatzleiter das Übungsende bekannt geben.

Eine Schadenslage in diesem Ausmaß fehlerfrei abzuarbeiten sei kaum möglich. Der Organisator Andreas Kaiser, 2. Kommandant der Feuerwehr Wolkersdorf, zeigte sich bei der Nachbesprechung dennoch zufrieden mit der Arbeit der Ehrenamtlichen. Anhand einer Lagekarte erklärte er, wie komplex die derzeitige Nutzung des Gebäudes geworden ist. Neben Polizei und Zoll seien mehr als 30 Appartements eingebaut worden. Eine Schule sowie ein Kindergarten nutzen das Gebäude ebenfalls. „Man kann zu keiner Zeit genau abschätzen, wie viele Menschen sich bei einem tatsächlichen Brand im Gebäude aufhalten“, so Kaiser. Die zahlreichen Umbauten zur Nutzungsänderung mache es für die Feuerwehr nicht leichter. So sei auch erklärlich, dass im Süden des Gebäudes vier Personen, die im Innenhof im ersten Stock auf einem Fluchtbalkon auf Hilfe warteten, durch die Einsatzkräfte nicht sofort entdeckt wurden und einige Zeit auf ihre Rettung warten mussten.

Kreisbrandinspektor Martin Schupfner dankte allen Einsatzkräften die sich dieser Übung gestellt haben. Es sei nicht selbstverständlich, dass man seine Freizeit zum Wohle der Mitmenschen einsetzt. Er gab den Feuerwehrlern zudem einige Tipps an die Hand, was man bei derartigen Lagen optimieren könne, wobei er insgesamt vom Leistungsstand der Feuerwehren im Stadtgebiet überzeugt war.

Als Vertreter der Stadt Traunstein war Oberbürgermeister Christian Kegel am Übungsort. Seinen Worten nach verfolgte er das Geschehen aufmerksam und war beeindruckt mit wie viel Professionalität die fünf Feuerwehren gearbeitet haben. Er sei sehr stolz, dass die Zusammenarbeit so gut sei und sprach den Einsatzkräften seinen Dank aus. „Wir sind froh, dass wir Euch haben und wissen, dass wir uns auf Euch verlassen können!“

Bei der anschließenden Brotzeit im Feuerwehrhaus Wolkersdorf verabschiedete der Oberbürgermeister drei langjährige Führungskräfte der Traunsteiner Feuerwehren, die ihre Ämter abgegeben haben: Manfred Dandl und Werner Huber, die beiden Traunsteiner Kommandanten gaben ihre Ämter zum 1. Oktober in jüngere Hände. Sie erhielten ebenso wie Michael Schuhböck von der Feuerwehr Haslach ein Geschenk als kleines Zeichen der Dankbarkeit für die langjährige Führungsaufgabe innerhalb der Stadtfeuerwehren. An der Spitze der Feuerwehr Traunstein stehen ab sofort Christian Schulz und Andreas Zeiser. Klaus Kropp wurde zum neuen 2. Kommandanten der Feuerwehr Haslach gewählt und ist bereits ins Amt eingeführt.

Bericht: Hubert Hobmaier
Bilder: Flying Lens - Schaffner / Freiwillige Feuerwehr Kammer 

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