Vorstellung der Arbeit des HIT-Teams

Beinahe 4400 Mal rückten die Feuerwehren im Landkreis Traunstein im Jahr 2017 aus. Viele der Einsätze sind für die Floriansjünger Routine: Sicherheitsabstellungen, Tierrettungen, Beseitigung von Ölspuren, Versetzung von Insektenbehausungen und vieles mehr. Für die Feuerwehrler alltägliche Arbeit und nichts Besonderes.

Geht es aber darum Menschen in Lebensgefahr zu retten, Schwerverletzte aus Fahrzeugwracks zu befreien oder Personen aus brennenden Gebäuden in Sicherheit zu bringen, sind die Feuerwehrdienstleistenden unter Zeitdruck und großen körperlichen, vor allem psychischen Belastungen ausgesetzt. Trotz aller Aus- und Fortbildung und dem Idealismus und guten Willen eines jeden Feuerwehrhelfers Menschen in Not zu helfen, geraten die Feuerwehrmänner und –frauen hin und wieder an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Nach einem Einsatz mit Schwerverletzten oder Toten wieder zur Tagesordnung und in den normalen Alltag zurückzukehren, gelingt nicht immer. Die Bilder eines schrecklichen Einsatzes erscheinen immer wieder, das Erlebte wird zur Belastung und führt möglicherweise zu körperlichen wie seelischen Veränderungen. Dies mündet in Konzentrationsschwierigkeiten, übertriebene Schreckhaftigkeit, Reizbarkeit, Alpträume, immer wiederkehrende belastende Erinnerung, soziale Isolation und weitere Reaktionen. Dabei sind die genannten "Symptome" ganz normale menschliche Reaktionen auf ein unnormales Ereignis.

Um die, in unserem Landkreis größtenteils ehrenamtlichen Feuerwehrhelfer, nach belastenden Einsätzen nicht alleine zu lassen, hat sich im Frühjahr 2001 das Helfer-Interventions-Team, kurz "HIT", gegründet. Ein Team von speziell ausgebildeten Feuerwehrmännern und -frauen stehen auf Anforderung der Feuerwehr-Führungskräfte zur Verfügung, um nach besonders belastenden Einsätzen kameradschaftlichen Beistand und Betreuung zu leisten.

Aufgabe des HIT ist es, seelisch belastende Einsatzerlebnisse verantwortungsvoll und strukturiert nachzuarbeiten. Einsatzbesprechungen sollten sich nicht nur auf eine Reflexion des taktischen Vorgehens und technische Details beschränken, sondern auch das körperliche und psychische Befinden und das Aussprechen von Gefühlen und Empfindungen beinhalten. Wiederkehrende belastende Erinnerungen an das Ereignis können posttraumatische Belastungsstörungen und schwere gesundheitliche Folgeschäden nach sich ziehen. Dies zu verhindern ist das große Anliegen und der Auftrag des Helfer-Interventions-Teams.

Schon viele Male konnte das Einsatznachsorgeteam hilfreich tätig werden, um Feuerwehrkameraden bei der Bewältigung seelisch belastender Einsätze zu unterstützen. Das Helferinterventionsteam wird zum Beispiel angefordert, wenn die örtliche Feuerwehr bei einem schweren Verkehrsunfall einen Kamerad aus den eigenen Reihen zu Hilfe kommen muss, aus den völlig demolierten Unfallauto schneiden oder im schlimmsten Fall tot bergen muss. Bisher waren es meist Verkehrunfälle, zu denen das Helferinterventionsteam angefordert wurde, weil Feuerwehrkameraden nach den Anblick eines Getöteten oder eines Schwerstverletzten seelisch belastet und "geschockt" waren.

Besonders wichtig ist dem Helfer-Interventions-Team die präventive Arbeit. Bei Schulungs- und Informationsabenden wird versucht Feuerwehrmänner und -frauen auf ungewöhnliche Einsatzsituationen und die möglicherweise auftretenden Belastungen hinzuweisen sowie vorzubereiten und Wege aufzuzeigen, wie einer Traumatisierung und seelischen Belastung vorgebeugt werden kann.

Bei folgenden Indikationen wird das HIT auf Anforderung der Feuerwehr-Führungskräfte alarmiert:

bei Tod oder schwerer Verletzung einer Einsatzkraft
bei einem Einsatz mit Tod eines Kindes
bei Unglücken mit einem oder mehreren Toten
bei Leichenbergung (zum Beispiel nach Suizid)
sowie bei sonstigen belastenden Einsätzen

Das HIT ist rund um die Uhr über Funkmeldeempfänger erreichbar und wird auf Anforderung von Feuerwehr-Führungskräften von der Integrierten Leitstelle Traunstein alarmiert.

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