Havarie eines vollbesetzten Zuges
Ruhpolding. Die Havarie eines vollbesetzten Zuges auf der Bahnstrecke zwischen Ruhpolding und Traunstein führte am Dienstagvormittag (24.1.12) zu einem ungewöhnlichen Hilfeleistungseinsatz für die Feuerwehren aus Ruhpolding und Eisenärzt. Wegen eines umgestürzten Baumes, der zu dem in die Oberleitung fiel und diese schwer beschädigte, gab es für den, mit rund 250 Schülern besetzten Zug kein Weiterkommen mehr. Auf freier Strecke, ca. 300 Meter nach der Haltestelle Bibelöd, saß der Zug fest. Die Floriansjünger wurden angefordert, um die Evakuierung des Zuges zu unterstützen und beim Umsteigen der Passagiere in einen Ersatzzug behilflich zu sein. Kurz vor 9 Uhr wurden die Feuerwehren alarmiert. Der Zug stand zu diesem Zeitpunkt schon mehr als eine Stunde auf der Strecke. Gegen 11.30 Uhr war die Evakuierung abgeschlossen und alle Zuginsassen waren in Eisenärzt oder Traunstein ausgestiegen. Verletzt wurde niemand. Auch bestand nach Auskunft der Bahnpolizei keine Gefahr für die Zuginsassen.
Am Dienstagmorgen war der Zug auf der Fahrt von Ruhpolding nach Traunstein in einen Baum gefahren, der noch dazu in die Oberleitung gefallen war und so den Zug lahm legte. Die weit über 200 Zuginsassen, fast ausschließlich Schüler, mussten im Zug sitzenbleiben und durften nicht aussteigen, weil Gefahr durch die gerissene Oberleitung bestand und auch nicht geerdet werden konnte.
Als der Zug zu der Stelle kam, an der der Baum umgestürzt war, drückte der Stromabnehmer auf die schon durchhängende Oberleitung. Die Oberleitung verfing sich und wurde verbogen und beschädigt. Daraufhin war der Zug ohne Strom. Mit Durchsagen wurden alle Zuginsassen von der Deutschen Bahn über die Entwicklung und den Fortgang der Rettungsaktion informiert.
Um die Schüler aus dem havarierten Zug zu retten wurden ein Bergezug mit Diesellok aus Traunstein, besetzt mit Mitarbeitern der Deutschen Bahn, der Feuerwehren und der Bahnpolizei von Eisenärzt aus in Richtung des verunglückten Zuges geschickt. Das war wegen der anhaltend starken Schneefälle schwierig, zudem blockierte ein weiterer umgestürzter Baum die Bahnstrecke. Mit einer Motorsäge beseitigen die Feuerwehrler den Baum und gegen 10.20 Uhr erreichte der Ersatzzug den festsitzenden Zug. Fachleute der Bahn und die Feuerwehr erdeten die Oberleitung und räumten den liegengebliebenen Zug. Die Feuerwehr begleiteten die Kinder und Jugendlichen aus dem verunglückten Zug in die zweite, bereitgestellte Zuggarnitur. Dort gab es für alle ein kleines Verpflegungspaket. Dieser Ersatzzug brachte die Fahrgäste zu den Bahnhöfen Eisenärzt und Traunstein. Der größte Teil der Zuginsassen stieg in Eisenärzt aus, wo sie von Eltern und Großeltern schon erwartet wurden. Der kleinere Teil verließ den Zug erst in Traunstein.
Die Oberleitung der Bahnstrecke wurde nach ersten Erkenntnissen der Bahn über eine weite Strecke beschädigt. Ursache waren die, mit schwerem Nassschnee beladenen Bäume, die dem Gewicht nicht standhielten und umstürzten oder in die Oberleitung krachten. Zur genaueren Bestimmung des Schadens wurde auch ein Hubschrauber der Bundespolizei angefordert, der die Strecke aus der Luft sichtete und die genauen Schäden aus der Luft bestimme. Der Zug und die beschädigte Lok wurde im Laufe des Nachmittags geborgen und zum Bahnhof Traunstein gezogen. Der Zugverkehr auf der eingleisigen Strecke musste stillgelegt werden. Eine Wiederaufnahme des Linienverkehrs ist erst nach Behebung der Schäden an der Oberleitung möglich. Bis dahin steht ein Schienenersatzverkehr zwischen Ruhpolding und Traunstein zur Verfügung.
Wie die Deutsche Bahn erklärte, bestand für die Insassen keinerlei Gefahr. Zwar sei bei einer Unterbrechung der Oberleitung auch die Stromversorgung unterbrochen, dennoch wurde die Erdung der Oberleitung als zusätzliche und vorsorgliche Maßnahme durchgeführt, um völlig sicher gehen zu können und keinen der Insassen zu gefährden.
Text: Peter Volk
Weitere Informationen und Bilder unter http://www.chiemgau24.de/chiemgau/siegsdorf/schueler-sitzen-fest-zug-chiemgau24-1573991.html


